Niederlande: Ik ben Dietist!

Ellen Govers, Diätassistentin in den Niederlanden

"Ich bin Diätassistentin!"
von Ellen Govers

Diätassistenten gibt es in den Niederlanden seit den späten 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts. Anfangs war die Ausbildung keine eigenständige Ausbildung, sondern eine Weiterbildung für Hauswirtschaftslehrerin. Während des Zweiten Weltkrieges kam der Berufsgruppe eine sehr große Bedeutung zu, denn die Diätassistenten der staatlichen Lebensmittelbehörden erklärten der hungernden Bevölkerung, was sie essen sollten. Beispielsweise wurden Rezepte zur Zubereitung von Blumenzwiebeln und Zuckerrüben veröffentlicht, die Kohl und Kartoffeln ersetzen sollten. In der Nachkriegszeit wurden von Diätassistenten Empfehlungen an die Bevölkerung gegeben, um Mangelernährung zu vermeiden. Während des Zweiten Weltkrieges wurde der Niederländische Verband der Diätassistenten (NVD) gegründet, der zu Beginn nur 60 Mitglieder hatte.

Später wurde die Ausbildung der Diätassistenten verbessert, und Ärzte, insbesondere Internisten und Kardiologen, zeigten zunehmendes Interesse daran, die Patienten durch eine Diätassistentin beraten zu lassen. Diätassistenten in Krankenhäusern arbeiteten oft in Krankenhausküchen in der Überwachung der Produktion der Speisen: insbesondere bei der Zubereitung von Diäten. Oft wurden Diäten auch von Diätassistenten selber hergestellt.

Seit den 60er-Jahren ist die Ausbildung in den Niederlanden auf Hochschulniveau. Seit 1972 erwerben Diätassistenten einen sogenannten "Paramedizinischen Abschluss". Dies war eine große Errungenschaft für die Entwicklung der Berufsgruppe. In den Niederlanden bedeutet ein paramedizinischer Abschluss, dass sich eine Berufsgruppe auf ein bestimmtes Feld in der Medizin spezialisiert hat, wie z.B. Physiotherapeuten, Ergotherapeuten oder Logopäden. Die "paramedizinischen Berufsgruppen" arbeiten eigenverantwortlich, aber auf ärztliche Anordnung. Sie sind verantwortlich für ihre Arbeit, aber der Arzt trägt die Gesamtverantwortung für die Gesundheit des Patienten.

Zu jener Zeit musste noch viel am Image der Diätassistenten getan werden, denn viele Menschen wussten zu diesem Zeitpunkt noch nicht, was eine Diätassistentin ist und was ihre Arbeit beinhaltet. Viele konnten noch nicht einmal das Wort "Dietist" fehlerfrei schreiben. Mit der Unterstützung vieler Interessensvertreter, wie Ärzte und Lebensmitteltechnologen, sowie einer sehr großen Zahl von ehrenamtlich tätigen Kollegen, arbeitete der Niederländische Verband der Diätassistenten (NVD) in den vergangen Jahren sehr hart und konsequent daran, die Position der Diätassistenten zu stärken und auszubauen sowie daran, die Arbeit von Diätassistenten in der Bevölkerung und beim medizinischen Personal bekannt zu machen.

Der NVD arbeitet eng mit den vier Hochschulen zusammen, in denen Diätassistenten ausgebildet werden. Die Zusammenarbeit bezieht sich vor allem auf die Inhalte des Curriculums, Berufs- und Karriereaussichten für die Absolventen und die Vermittlung geeigneter Praktikumsplätze. Die Hochschulen übernehmen auch die Fort- und Weiterbildung für Diätassistenten.

Vor ungefähr 20 Jahren stellte der niederländische Verband fest, das einige Diätassistenten nicht mit der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse mithielten und Patienten falsch berieten, wodurch Patienten gefährdet wurden, aber auch die Berufsgruppe Schaden erlitt. Dies führt dazu, dass über die Verbesserung und kontinuierlichen Weiterentwicklung der Profession nachgedacht wurde.
Die niederländische Regierung regte eine generelle Weiterentwicklung aller paramedizinischen Berufsgruppen an und auch der NVD wurde finanziell unterstützt, um Qualitätsrichtlinien für die Berufgruppe zu entwickeln. Die staatliche Unterstützung war nicht groß, aber hoch genug, um einen Projektmanager einstellen zu können. Die übrige Arbeit wurde von Ehrenamtlern erledigt! Heute sammeln Diätassistenten nach Abschluss des Studiums Punkte, wenn sie mit Patienten arbeiten, Weiter- und Fortbildungen besuchen, Artikel schreiben oder in der Forschung tätig sind. Diese Punkte ermöglicht es ihnen, sich in einem Qualitätsregister registrieren zu lassen. Dies ist eine große Motivation für die niederländischen Diätassistenten sich stetig weiterzubilden.

Das Arbeitsfeld für Diätassistenten hat sich, seit dem Beginn vor 70 Jahren, ausgeweitet. Heute arbeiten sie in Krankenhäusern, in der Forschung, in Ausbildung und Lehre, in der Lebensmittelindustrie, Produktentwicklung aber auch im öffentlichen Gesundheitssektor oder in anderen Unternehmen der Gesundheitsbranche. In den Niederlanden sind ungefähr 3000 Diätassistenten berufstätig. Die meisten von ihnen arbeiten in Krankenhäusern oder bei Hausärzten. Die Anzahl von Diätassistenten in Hausarztpraxen hat in den letzten Jahren stetig zugenommen. Dies ist vermutlich dem Fakt zu verdanken, dass für jeden Versicherten 4 Stunden ambulante Diättherapie im Jahr von der Krankenkasse gezahlt werden. Dafür, dass die Krankenkasse unsere Leistung zahlt, wurde viele Jahre hart gekämpft, und wir waren alle sehr glücklich über das Ergebnis. Das Ergebnis führte auch dazu, dass die Anzahl der Studierenden im Bereich Diätetik anstieg.

Die neueste Entwicklung in der Berufgruppe ist der zahlenmäßige Anstieg von Diätassistenten in der Forschung. Diätassistenten besuchen die Masterkurse in "Humanernährung und Gesundheitswissenschaften", jährlich promovieren Diätassistenten.

Ich schloss im Jahren 1976 mein Studium zur Diätassistentin ab und habe an den beschriebenen Entwicklungen mitwirken können. Am Anfang als ehreamtliche Mitarbeiterin und danach 6 Jahre lang als Vorstandsmitglied unseres Verbandes. Ich habe immer als Diätassistentin in Arztpraxen gearbeitet und freue mich mit Patienten und mit Kollegen der verschiedenen Berufsgruppen zusammenarbeiten zu können. Der interessanteste Aspekt unserer Profession ist die Entwicklung im Gesundheitssektor und wie wir Diätassistenten einen Beitrag dazu leisten können.

Ich habe mich spezialisiert in der Behandlung von Übergewicht und Adipositas sowie auf die Komorbiditäten, die daraus resultieren können. Die DIETS-Plattform bedeutet ebenfalls viel für mich, da sie uns einen Erfahrungsaustausch innerhalb Europas ermöglicht.

Kontakt:

Ellen Govers
Amsterdam
E-Mail: ellen.govers@zonnet.nl

Übersetzt aus dem Englischen von Daniel Buchholz