Auszüge aus dem aktuellen Newsletter Mai 2010

Bundeskongress: VDD begrüßt Expertenstandard Ernährungsmanagement

VDD Präsidentin Doris Steinkamp (Foto: Luise Richard)

Das Risiko einer Fehlernährung ist bei Menschen über 70 fünf Mal häufiger als bei der Altersgruppe unter 30 Jahren. Und in Krankenhäusern und Altenheimen wird das Problem immer größer: Mittlerweile sind sehr viele Patienten in Krankenhäusern bzw. Bewohner in Pflegeeinrichtungen mangelernährt. Das wurde bei der Pressekonferenz des VDD anlässlich des Bundeskongresses in Wolfsburg herausgestellt, bei der der Expertenstandard Ernährungsmanagement in der Pflege im Mittelpunkt des Interesses stand.

Der VDD hält es für sehr sinnvoll, den Expertenstandard des Deutschen Netzwerkes für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) möglichst schnell und umfassend in Pflegeeinrichtungen umzusetzen und die Berufsgruppe der Diätassistenten dabei wie vorgesehen einzubinden. Aber obwohl er im vergangenen Herbst verabschiedet wurde, ist er bislang erst in wenigen Pflegeeinrichtungen eingeführt worden. In der Pflegeausbildung werde die Ernährung nur unzureichend behandelt. Und später in der praktischen Arbeit gehe das Thema im Pflegealltag schnell unter, kritisierte Doris Steinkamp für den VDD. Deshalb begrüße sie es ausdrücklich, dass die Ernährung in der Pflege zunehmend in den Blick genommen werde. Es sei höchste Zeit dafür.

Berufsfeldanalyse: Erste Ergebnisse

Auditorium beim VDD Bundeskongress 2010 (Foto: Luise Richard)

Diätassistenten im VDD sind zumeist weiblich, im Schnitt etwa 40 Jahre alt, haben meistens mehr als 21 Jahre Berufserfahrung und bilden sich kontinuierlich fort. Prof. Dr. Birgit Babitsch, Berlin School of Public Health an der Charité in Berlin, stellte in Wolfsburg erste Ergebnisse der VDD-Berufsfeldanalyse vor. Sie beruht auf der Befragung von VDD-Mitgliedern, der Fragebogen lag der D & I im Dezember bei. Die Vorstellung der Ergebnisse stieß in Wolfsburg auf sehr großes Interesse.

Ein paar weitere Eckpunkte: Rund drei Viertel der Diätassistentinnen arbeiten direkt mit dem Patienten oder Klienten. Und 85% der Diätassistenten führen täglich Diättherapie und Ernährungsberatung durch. Dies entspricht ihrem gesetzlich definierten Auftrag als Heilberuf in der Diättherapie. Ca. 80% würden den Beruf noch einmal ergreifen: Für die meisten ist es ein Traumberuf, die Zufriedenheit im Beruf ist außerordentlich hoch.

Rechtsgutachten bestätigt Diätassistenten

Der Beruf des Diätassistenten ist der einzige medizinische Heilberuf im Bereich der Diättherapie und Ernährungsberatung. Das wird durch ein aktuelles Rechtsgutachten von Prof. Dr. Gerhard Igl, Christian-Albrecht-Universität Kiel, bestätigt. Igl stärkt damit die Argumentation des VDD aus juristischer Sicht. Weil Diätassistenten diättherapeutische und ernährungsmedizinische Maßnahmen auf ärztliche Anordnung oder im Rahmen ärztlicher Verordnung eigenverantwortlich durchführen, sowie bei Prävention und Therapie von Krankheiten und bei ernährungstherapeutischen Beratungen und Schulungen mitwirken bzw. sie durchführen, müssen nach Auffassung des Juristen Gesetzgeber und Krankenkassen in der Diät- und Ernährungstherapie auf die Fachlichkeit dieses Berufes zurückgreifen. Aus juristischer Sicht gibt es da offenbar keinen Spielraum.

Das Buch ist für 28,90 Euro im Buchhandel erhältlich oder über den VDD zu beziehen.

Essstörungen: Neuer Literaturüberblick erschienen

Der neue Fachinformationsdienst "Recherche Spezial" des GESIS-Leibniz-Institutes für Sozialwissenschaften behandelt aktuell das Thema Essstörungen. Er ist dieses Frühjahr erschienen und gibt auf 111 Seiten einen Überblick über neueste Literatur und Forschungsprojekte. Diese stammen aus den GESIS-Datenbanken SOLIS und SOFIS sowie aus den sechs englischsprachigen sozialwissenschaftlichen Datenbanken des Herstellers Cambridge Scientific Abstracts (CSA). Aufgelistet sind Angaben wie Autor, Institution, Auftraggeber, Finanzierung sowie die Kontaktdaten. Außerdem liefert der Fachinformationsdienst eine kurze Zusammenfassung der einzelnen Studien, Artikel oder Bücher.

Die Zusammenstellung gliedert sich in sechs Kapitel: Das erste umfasst Überblicksarbeiten und empirische Studien, das zweite Kapitel beschäftigt sich mit Therapieformen sowie mit medizinischen Ansätzen und das dritte präsentiert Untersuchungen zu Essstörungen in verschiedenen sozialen Gruppen. Kapitel vier nimmt die familialen Strukturen sowie das Umfeld der Erkrankten ins Visier und der letzte Abschnitt beschäftigt sich mit Arbeiten zum Essverhalten und der Prävention von Essstörungen als einem wichtigen Bereich von Public Health.

"Recherche Spezial" gibt es als kostenloses PDF zum Herunterladen oder als gedruckte Version bei GESIS für einen Selbstkostenpreis von 10 Euro: www.gesis.org/forschung-lehre/gesis-publikationen/servicepublikationen/recherche-spezial.

Quelle: GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften, Abteilung Fachinformation für die Sozialwissenschaften, Dreizehnmorgenweg 42, 53175 Bonn, Tel.: 0228 / 2281 - 544

Gefährliches Duo: Alkohol und Adipositas

Alkohol schädigt die Leber und Adipositas ebenfalls. Das ist bekannt. Doch wie das Britische Ärzteblatt (BMJ) jetzt mitteilte, vervielfältigt sich das Risiko, an einer Leberzirrhose zu erkranken, wenn beide Faktoren zusammenkommen. Dem Artikel lagen die Ergebnisse zweier prospektiver Kohortenstudien zu Grunde. In der Million Women Study, die 1,2 Millionen Frauen mehr als sechs Jahre lang beobachtete, betrug die Hospitalisierungs- oder Sterberate auf fünf Jahre gesehen 0,8/1.000 – sofern die Frauen nur mäßig Alkohol tranken (ein Drittel bis ein halber Drink pro Tag). Eine Adipositas erhöhte das Risiko kaum: 1/1.000.

Anders sah es aus, wenn die Untersuchungspersonen viel Alkohol konsumierten (im Durchschnitt 2,5 Drinks pro Tag). Bei dieser Gruppe stieg die Rate der Lebererkrankungen auf 2,7/1.000. Kam noch eine Adipositas dazu, belief sie sich sogar auf 5/1.000. Die Forscherin Bette Liu von der Cancer Epidemiology Unit an der Universität Oxford schätzt, dass 42 Prozent der Todesfälle auf den Alkohol und 17 Prozent auf die Adipositias zurückzuführen sind.

Die Midspan Study kam zu einem noch auffälligeren Ergebnis. Erfasst wurden 29 Jahre lang mehr als 9.000 Männer in Schottland. Während dieses Zeitraums starben 0,8 Prozent der Männer an einer Lebererkrankung, bei weiteren 1,5 Prozent wurde sie als Nebenbefund im NHS Central Register genannt. Dieses beinhaltet alle Personen, die sich in Schottland in ärztlicher Behandlung befanden. Carole Hart von der Universität Glasgow berechnete, dass starke Trinker (15 oder mehr Drinks in der Woche) ein 3-fach erhöhtes Risiko eingehen, an einer Lebererkrankung zu sterben, wenn sie normal- oder untergewichtig sind. Bei Übergewichtigen vervielfachte sich das Risiko um den Faktor sieben und Alkoholiker mit einer Adipositas gehen ein fast 19-fach erhöhtes Risiko ein. 

Alzheimer: Grüner Tee hilft

Die Substanz EGCG (Epigallocatechin-3-gallate) in grünem Tee kann giftige Eiweißablagerungen unschädlich machen. Diese treten bei der Alzheimer Krankheit, bei Parkinson und bei Chorea Huntington auf.

Forscher aus der Nachwuchsgruppe von Dr. Jan Bieschke und der Forschungsgruppe von Prof. Erich Wanker des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch haben festgestellt, dass sich EGCG an die faserigen Eiweißablagerungen anbindet und sie in ungiftige und für die Nervenzellen harmlose, kugelige Eiweißaggregate umwandelt. Das Besondere: Da die giftigen Eiweißablagerungen nicht aufgelöst werden, entstehen keine kleineren, für die Nervenzellen vermutlich giftigen Bruchstücke. Die kugeligen Eiweißaggregate hingegen können von Nervenzellen gefahrlos abgebaut werden.