29.09.2017 12:59

Mangelernährung: Kliniken geraten ins Visier

Kategorie: News, Archiv

 

Das Thema Mangelernährung in Kliniken hat die Medien erreicht. In der vergangenen Woche brachte das Wirtschaftsmagazin Plusminus in der ARD einen sehr ausführlichen Bericht dazu und prangerte an, dass die Ernährungsmedizin in Kliniken einen viel zu geringen Stellenwert hat. Ein Ernährungsscreening wird nur selten gemacht.

Insbesondere Krebspatienten sind häufig mangelernährt. Rund ein Viertel der Krebspatienten sterben jedes Jahr – nicht am Tumor, sondern an einem unzureichenden Ernährungsstatus und einer schlechten Versorgung.

-  Der Bericht beleuchtet diverse Blickwinkel des Themas, v.a. die Problematik an den Schnittstellen von Pflege, Ärzteschaft, Ernährungstherapie, Küche und Apotheke.

-  Im Fokus stehen auch die vielfach fehlenden Ernährungsscreenings und die infolgedessen fehlende Diagnostik von Mangelernährung.

-  Der Bericht thematisiert in zutreffender Weise auch die Problematik der Kodierbarkeit von Ernährungstherapie.

-  Gut dargestellt wird zudem die Hilflosigkeit der Patienten, die möglicherweise gar nicht diagnostiziert und daher auch nicht behandelt werden; es besteht so die große Gefahr, dass sie an unprofessionelle Beratung geraten.

Gedreht wurde u.a. im Klinikum Bielefeld, wo Ursula Lukas als Diätassistentin beschäftigt ist, sowie im Münchner Klinikum Großhadern, wo Nicole Erickson Mitglied im dortigen interdisziplinären Ernährungsteam in der Onkologie ist. Fallbesprechungen wie dort sind in den meisten Häusern unbekannt.

Mehr als eindringlich stellte der Bericht die Situation anhand von Patientenbeispielen dar.

Auch Prof. Dr. Jutta Hübner, Krebsmedizinerin an der Uniklinik Jena und im Vorstand der Deutschen Krebsgesellschaft, wurde sehr deutlich: „Die aktuelle Situation in Deutschland kann man eigentlich wirklich nur noch als Missstand bezeichnen. Ich glaube, das ist genau das richtige Wort dafür.“ Die Ernährungsmedizin komme in der Medizinerausbildung viel zu kurz, Mangelernährung sei an der Tagesordnung.

Der Bericht zieht eine ernüchternde Bilanz: Es fehle an Arbeitshilfen zur Bewertung und Einschätzung von Mangelernährung (Assessment Tools); Reibungsverluste müssten vermieden, die Verständigung an den Schnittstellen optimiert werden; Fachwissen müsse ausgebaut und mehr Personal eingestellt werden. Für die Patienten habe der Missstand fatale Folgen. Doch Ärzte, Krankenhausleitungen und Politik schauten weg.

Der Bericht hebt aber auch die Rolle der Diätassistenten als Spezialisten für Ernährungstherapie im Krankenhaus hervor.

Der VDD thematisiert das Problem Mangelernährung seit etlichen Jahren. Wir fordern systematische Ernährungsscreenings und haben mehrfach darauf hingewiesen, dass Diätassistenten und interdisziplinäre Ernährungsteams in Kliniken viel zu selten sind. Wo eine Einbettung der Ernährungsmedizin in die Therapie erfolgt und Diätassistenten beteiligt sind, lassen sich – das zeigen Studien – Liegezeiten verringern und Prognose und Lebensqualität der Patienten wirkungsvoll verbessern. Der VDD nimmt den Beitrag zum Anlass, noch mehr als bisher schon zusammen mit anderen Verbänden aktiv zu werden und Öffentlichkeit zu schaffen.

Der Plusminus-Report steht in der ARD-Mediathek zur Verfügung:

http://mediathek.daserste.de/Plusminus/Die-Sendung-vom-20-September-2017/Video?bcastId=432744&documentId=46086294