28.09.2018 14:52

Stellungnahme des Verbandes der Diätassistenten – Deutscher Bundesverband e. V. (VDD) zum Eckpunktepapier von Herrn Bundesgesundheitsminister Jens Spahn vom 17.09.2018

Kategorie: News

 

Im Fokus der Heilmittelerbringer steht derzeit das Eckpunktepapier Sicherung und Weiter-entwicklung der Heilmittelversorgung. Wir stellen fest, dass die Diätassistentinnen und Diätassistenten wiederholt nicht berücksichtigt, ja nicht einmal mit aufgeführt wurden.

Der Verband der Diätassistenten - Deutscher Bundesverband e. V. (VDD) begrüßt es außerordentlich, dass sich das Bundesministerium für Gesundheit um die Sicherung und Weiterentwicklung der Heilmittelversorgung bemüht. Der im Eckpunktepapier festgestellte bundesweite Mangel an Fachkräften unter den etablierten Heilmittelerbringern bietet hierfür sicher allen Anlass. Die Aussage des Ministers „Leistung der Heilmittelerbringer muss der Gesellschaft mehr wert sein“ stimmt auch uns Diätassistenten optimistisch. Schließlich hat das Bundessozialgericht im Jahr 2000 die damals noch als Diättherapie bezeichnete Ernährungstherapie als Heilmittel anerkannt. Dem ist der G-BA im März 2017 mit seiner Änderung der Heilmittelrichtlinie gefolgt. Somit ist ein erster Schritt in eine flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit dem Heilmittel Ernährungstherapie, zumindest für Seltene angeborene Stoffwechselstörungen und Mukoviszidose, getan.

Deswegen bekümmert es uns, dass wir als Verband, der einen bundesrechtlich regulierten Gesundheitsberuf und Heilmittelerbringer vertritt, zu dem Verbändegespräch am 13.09.2018 nicht eingeladen wurden. Auf Nachfrage wurde uns mitgeteilt, dass die uns betreffenden Themen mit denen der anderen Heilmittelberufe nicht deckungsgleich wären. Wir halten es trotz eines teilweise anderen Versorgungssegmentes für sehr wichtig, dass sich auch unser Verband beteiligen kann, insbesondere dann, wenn es nicht nur um die Heilmittelversorgung, sondern auch um die Ausbildung gesetzlich regulierter Gesundheitsberufe (siehe Punkt 8 Eckpunktepapier) geht.

Unser Interesse gilt demzufolge dem Schwerpunkt der geplanten Neuregelung der Aus-bildung, der Regelung von Verhandlungen mit Krankenkassen sowie der Digitalisierung.

Insoweit sind die Schnittstellen und Interessen der von uns vertretenen Berufsgruppe mit denen aller Heilmitterbringer identisch. Das ergibt sich natürlich besonders aus dem Eckpunktepapier vom 17.09.2018, das sich insgesamt um die Weiterentwicklung der Heilmittelversorgung und der Heilmittelerbringer befasst.

Insbesondere sind wir bekümmert, dass einem Spitzenverband der Heilmittelverbände
(SHV e. V.), dem wir nicht angehören, Kompetenzen übertragen werden sollen, die wir im Auftrage unserer Mitglieder selber wahrnehmen müssen. Dies betrifft das Führen von Vergütungsverhandlungen, den Abschluss von Heilmittelverträgen sowie die Umsetzung von Gesetzesvorgaben im Rahmen der Blankoverordnung. Wir fragen uns, wieso dem SHV e. V. Regelungskompetenzen übertragen werden sollen, die in die Vertretung unserer Mitglieder eingreifen, wobei der SHV selber keinerlei Sachkunde nachweisen kann, insbesondere da er keine Diätassistenten und Diätassistentinnen vertritt.

So haben wir selber für unsere Mitglieder Verhandlungen mit den Krankenkassen auf Bundesebene geführt und Verträge über die Einzelheiten der Versorgung und die Vergütungen unserer Heilmittel abgeschlossen. Dies haben wir als großen Erfolg ange-sehen. Es ist ein wegweisender Schritt für die Verhandlungen auf Bundesebene auch in anderen Heilmittelbereichen.

Es besteht also für den Bereich der Diätetik/Ernährungstherapie kein Anlass, uns die Verhandlungskompetenz abzunehmen und sie einem selbsternannten Spitzenverband zu übertragen, der seine Sachkunde nicht wird nachweisen können. Insoweit ersetzt die Vorgabe, dass unser Einvernehmen mit einem Vertragsabschluss eingeholt werden müsste, nicht die Beteiligung an den Verhandlungen selber. Nur in einer direkten Vertrags-verhandlung kann eine Gestaltung der Belange unserer Mitglieder und unseres Verbandes vorgebracht und durchgesetzt werden. Es liegt auf der Hand, dass eine Fremdbestimmung hinsichtlich der Verhandlungsführung und des Vertragsabschlusses von uns abgelehnt werden muss. Dies gilt erst recht, wenn der Bereich der Blankoverordnung unseren Heil-mittelbereich betreffen sollte. Hier geht es um die Bewertung von Indikationen, was vertiefende Sachkunde in unserem Heilmittelbereich erfordert, die wir dem SHV e. V. absprechen.

Die Digitalisierung sehen wir für unsere Berufsgruppe als sehr relevant an. Dieses Thema betrifft uns als Heilmittelerbringer genauso wie die anderen Berufsgruppen. So verbindet das Eckpunktepapier unter Ziffer 7 die Digitalisierung mit der Abfassung von Qualitätsvorgaben und Umsetzung in Richtlinien durch den G-BA. Wir wünschen uns sehr, dass unser Verband mit seinem Knowhow aktiv an dem Prozess der Digitalisierung und der Qualitätsfort-schreibung beteiligt wird.

Dies gilt auch für den Bereich der Ausbildung. Als Verband, der einen bundesrechtlich geregelten Gesundheitsberuf vertritt, folgen wir ausdrücklich dem Eckpunktepapier unter Ziffer 8. Hier wird ausgeführt, dass zum eigenverantwortlichen Handeln befähigt werden soll, weil dies die berufliche Selbstverwirklichung ermöglicht, die einen Beruf erst wirklich attraktiv macht. Wenn eine Überarbeitung der Ausbildungsstandards durch eine Projektgruppe erfolgen soll, gehen wir davon aus, dass wir bei der Entwicklung praxisorientierter Strukturen beteiligt werden sollten. In die Arbeit einer solchen Projektgruppe könnten wir auch unsere Vorstellungen über eine praxisorientierte Akademisierung einbringen, wie sie nahezu weltweit Standard ist. Dies wäre auch ein wichtiger Schritt für eine Anerkennung unseres Abschlusses im Ausland.

Im Übrigen halten wir eine Teilung unserer zahlmäßig relativ kleinen Berufsgruppe in zwei Ausbildungsgänge für kontraproduktiv. Natürlich begrüßen wir die Schulgeldfreiheit als Schritt, um die Attraktivität der Ausbildung zu steigern. Ergänzend hierzu würden wir Konzepte in die Arbeit der Projektgruppe einbringen, um die Finanzierungslücken hinsichtlich der Ausbildungsstellen zu schließen.

Die Bearbeitung der vielfältigen Aspekte im Zusammenhang mit dem Berufsgesetz und der Ausbildungs- und Prüfungsordnung gelingt nur, wenn wir als Verband der Projektgruppe im BMG, die sich mit der Weiterentwicklung der Ausbildung befasst, angehören und die Belange unseres Gesundheits- und Heilmittelberufs vortragen können.

Diätassistenten leisten wie Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden und Podologen (…) in unserer älter werdenden Gesellschaft einen wichtigen Beitrag zur gesundheitlichen Versorgung in Deutschland. Sie erhalten und verbessern die Lebensqualität von Patientinnen und Patienten, indem sie Krankheiten heilen, die Behandlung von Krankheiten unterstützen und die Verschlimmerungen der Symptome verhindern.

Daher müssen auch sie in die Überlegungen zur Überarbeitung der Heilmittelversorgung und der Ausbildungen inkludiert werden.

Uta Köpcke

Präsidentin
Verband der Diätassistenten –
Deutscher Bundesverband e.V.