11.02.2019 07:25

VDD: Engagement gegen Krebs muss Ernährungstherapie berücksichtigen

Kategorie: News, Archiv

 

In der vergangenen Woche haben die beiden Bundesminister Jens Spahn und Anja Karliczek medienwirksam die „Dekade gegen Krebs“ ausgerufen. Grundsätzlich zu befürworten, findet der Verband der Diätassistenten (VDD). Was aber fehlt, ist die Einbeziehung der modernen Ernährungsmedizin und Ernährungstherapie.

Über das Ziel sind sich wohl alle einig: Krebs – die zweithäufigste Todesursache in Deutschland – soll in den nächsten Jahren verstärkt bekämpft werden. Bundesgesundheitsminister Spahn bezeichnet den Kampf gegen Krebs als „eine der größten gesundheitspolitischen Herausforderungen unserer Zeit“. Und Bundesforschungsministerin Karliczek sagt: „Weitere Erforschung von Prävention, Diagnose und Therapie von Krebserkrankungen soll zielgenaue Erkenntnisse liefern.“
So weit, so gut. Oder doch nicht?
Bei der Diskussion fällt völlig unter den Tisch, dass ein Viertel aller Krebspatienten heute gar nicht an der Grunderkrankung stirbt, sondern an Mangelernährung und Unterversorgung in Krankenhäusern. Viel zu oft wird die Ernährung sowohl von Onkologen als auch von anderen Ärzten und Klinikverantwortlichen als privates Problem der Betroffenen angesehen. Typische Nebenwirkungen, wie Gewichtsverlust, Geschmacksverlust, Übelkeit oder Erbrechen, verursacht durch die Anti-Tumor-Therapie, werden als „normal“ angesehen und eben nicht als bedeutender Risikofaktor für die Betroffenen erkannt. Dabei könnten Diätassistenten durch gezielte Ernährungstherapie die Patienten im Umgang damit unterstützen und ein Mehr an Lebensqualität, geringere Komplikationsraten und besseres Ansprechen der Therapie bewirken.
Ernährungsteams mit Diätassistenten gibt es aber nur in rund 3% der Kliniken hierzulande, einzelne Diätassistenten sind häufig für 400 und mehr Patienten zuständig. Die Versorgung mit ambulanter Ernährungstherapie ist aufgrund fehlender gesetzlicher Verankerung nur sehr eingeschränkt möglich. Krebspatienten erhalten häufig nicht genug bzw. nicht die richtige Nahrung, werden mit den Nebenwirkungen der Therapie alleine gelassen. Die Folgen: schlechte Heilungschancen und Prognosen, lange Liegezeiten, höhere Sterblichkeit. Die Zusatzkosten für die Folgen der Mangelernährung werden auf aktuell 9 Mrd. Euro pro Jahr geschätzt. Ernährungsmediziner und Spezialisten im Feld wie beispielsweise Professor Martin Smollich aus Lübeck kritisieren, dass die Politik die Fortschritte der ernährungsmedizinischen Krebsforschung bislang vollkommen ignoriert und eben nicht aktiv umsetzt1.
„Das Naheliegendste wäre, Krebspatienten mit einer Ernährungstherapie durch Fachpersonal zu helfen. Diätassistenten – speziell für die Ernährung von Kranken ausgebildet – können hier unmittelbar eingreifen und nach einem Ernährungsassessment die Ernährungsversorgung der onkologischen Patienten optimieren“, sagt VDD-Präsidentin Uta Köpcke. Dazu bedarf es der Bildung von Ernährungsteams in Krankenhäusern, Kliniken und Reha-Einrichtungen mit ausreichender Anzahl an Diätassistenten sowie einer gesetzlich geregelten Versorgung im ambulanten Setting. Die Devise müsse lauten: Das Eine tun und das Andere nicht lassen. Forschung sei natürlich weiter notwendig, neue Methoden sollten natürlich entwickelt und genutzt werden. Aber an erster Stelle und sehr kurzfristig sei den Patienten mit einer Ernährungstherapie zu helfen, die überdies kosteneffizient sei. Das hätten Studien ergeben.

Ein weiteres Feld ist die Krebsprävention: Rund ein Drittel aller Krebserkrankungen haben mit einer falschen Ernährung zu tun. Hoher Konsum an rotem Fleisch, Adipositas, Diabetes, Bluthochdruck und weitere ernährungsbedingte Krankheiten sind hochriskant in Bezug auf eine potenzielle Krebserkrankung. Die aktive Beratung und Begleitung durch Diätassistenten, die sowohl ambulant als auch in Kliniken tätig sind, könnte das Erkrankungsrisiko deutlich senken, so VDD-Präsidentin Uta Köpcke. Die Wissenschaft beziffert, dass mit einer richtigen Ernährung ca. 160.000 Krebserkrankungen zu verhindern seien.
Dem Aufruf der beiden Minister Spahn und Karliczek, sich am Kampf gegen den Krebs zu beteiligen, kommt der Verband der Diätassistenten gerne nach. Es ist überfällig, Strukturen und Finanzierungsmodelle zu schaffen, die die Arbeit der Diätassistenten am Patienten flächendeckend ermöglichen, zum Wohle für die Patienten und um immense Kosten für das Gesundheitswesen einzusparen. Jetzt ist die Politik am Zuge.