18.09.2020 12:43

Ernährungstherapie im Fokus der Politik

Kategorie: News, Archiv

 

Die Ernährungstherapie rückt zunehmend in den Blick der Politik. Wie es damit in Deutschland bestellt ist, dazu muss die Bundesregierung jetzt schriftlich Auskunft geben. Die Fraktion von Bündnis 90/ Die Grünen hat eine Kleine Anfrage gestellt.

Wie stellt sich derzeit die Situation der Ernährungstherapie in Deutschland dar? Und wie (gut) sind Patienten während und nach der Corona-Pandemie ernährungstherapeutisch versorgt? Zudem ist die Lage der in der Ernährungstherapie selbstständig Tätigen während der Corona-Pandemie schwierig, denn sie können für ihre Verdienstausfälle aufgrund der Pandemie kaum mit Entschädigungszahlungen rechnen.

Anfang September hat die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen genau dazu eine Kleine Anfrage an die Bundesregierung gestellt. „Wir sind froh, dass die Ernährungstherapie bei der Politik zunehmend in den Blick genommen wird, übrigens auch bei den anderen Parteien“, merkt VDD-Präsidentin Uta Köpcke an und wertet es als Erfolg der Verbandsarbeit. Allen Patienten mit ernährungsabhängigen Erkrankungen müsse ein niederschwelliger und sicherer Zugang zur Ernährungstherapie ermöglicht werden. Es müsse klar definiert sein, wer für Ernährungstherapie qualifiziert ist und diese Qualifikation müsse den wachsenden Anforderungen des Gesundheitssystems und der Ernährungstherapie entsprechen. Die Reform der Berufsgesetze, der Therapievorbehalt und die Diskussion um die Erweiterung des Heilmittels gehörten dringend auf die politische Agenda.

Die Kleine Anfrage der Grünen stützt sich maßgeblich auf Informationen der Verbände VDD, QUETHEB, VFED und VDOE. Kleine Anfragen müssen innerhalb einer bestimmten Frist schriftlich beantwortet werden.

In der Anfrage wird u.a. konstatiert, dass es derzeit keine eindeutige rechtliche Regelung gibt, wer außer dem Gesundheitsfachberuf der Diätassistenten Ernährungstherapien durchführen darf. Das öffne auch Personen ohne Mindestqualifikation Tür und Tor, mit möglicherweise gravierenden Folgen für die Patientensicherheit.

Die Abgeordneten betonen die Bedeutung der Ernährungstherapie und Ernährungsintervention für die Lebensqualität der betroffenen Patienten sowie den erheblichen finanziellen Nutzen einer Ernährungstherapie für das Gesundheitssystem.

Sie führen zudem auf, dass die Ernährungstherapie zwar seit 20 Jahren als Heilmittel eingestuft ist, aber nur für wenige Indikationen (CF- und SAS-Patienten) anerkannt ist. Individuelle Ernährungstherapie sei bis auf diese Fälle nicht verbindlich als erstattungsfähige Leistung der Krankenkassen verankert, sondern lediglich eine „Kann-Leistung“.

Gefragt wird auch nach Anzahl und Ausbildung der Diätassistenten resp. Ernährungstherapeuten und nach ihrer Rolle bei der Nationalen Diabetesstrategie und in der Dekade gegen Krebs. Die Abgeordneten wollen wissen, wie die Studien- und Evidenzlage ist, welche Kosten durch die Krankenkassen erstattet werden, wie Diätassistenten in Disease-Management-Programme (DMP) eingebunden sind und vieles mehr.

Die Lektüre der Kleinen Anfrage lohnt sich. Wir sind gespannt auf die Antworten der Bundesregierung.