Ausbildungsreform in den Gesundheitsfachberufen

Arbeitsgruppe „Berufsbildung in den Heilberufen“ legt Diskussionspapier vor


Seit mehreren Jahren wird gefordert, die Ausbildung der Gesundheitsberufe in Deutschland zu verändern, um den demografischen Wandel und die Weiterentwicklung des Gesundheitssystems bewältigen zu können. Auch der Verband der Diätassistenten hat dies im letzten Jahrzehnt immer wieder betont. Im Oktober 2015 legte die Arbeitsgruppe „Berufsbildung in den Heilberufen“ ein Eckpunktepapier zur Ausbildungsreform in den Gesundheitsberufen vor, bei dessen Entstehung sich gemeinsam mit dem VDD weitere Verbände und Vereinigungen aus den Berufsgruppen der Ergotherapeuten, Physiotherapeuten, Logopäden, Hebammen, Podologen, MTA-Berufe, der Pharmazeutisch-technischen Assistenten, die Bundes-Studierenden-Vereinigung der Gesundheitsberufe sowie der Hochschulverbund Gesundheitsfachberufe mit Beiträgen und Stellungnahmen beteiligten.

Mitglieder der Arbeitsgruppe und Verfasser/innen des Eckpunktepapiers:

  • Gisela Beyermann, Schule für Ergotherapie des Klinikums Frankfurt/Höchst
  • Gerd Dielmann, ver.di – Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft
  • Heidi Höppner – Hochschulen für Gesundheit (HoGe), Alice-Salomon-Hochschule Berlin
  • Inga Junge, Deutscher Verband der Ergotherapeuten (DVE) e.V.
  • Andreas Pust, Verband Leitender Lehrkräfte an Schulen für Physiotherapie (VLL) e.V.
  • Jutta Räbiger, Hochschulverbund Gesundheitsfachberufe (HVG) e.V.
  • Joachim Rottenecker, Verband Deutscher Ergotherapie Schulen (VDES) e.V.
  • Vera Wanetschka, Bundesverband Deutscher Schulen für Logopädie (BDSL) e.V.
  • Mieke Wasner, Hochschulverbund Gesundheitsfachberufe (HVG), SRH Hochschule Heidelberg
  • Melanie Wehrheim, ver.di – Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft


Das Papier stellt Fragen der Ausbildungs- bzw. Studiengangsqualität in den Mittelpunkt, wobei die zukünftige institutionelle Verortung der Ausbildung noch offen blieb. Die Reformvorschläge wurden in 9 Eckpunkten zusammengefasst.


Eckpunkt 1
Für alle Heilberufe wird ein gemeinsames Berufegesetz gefordert, das einen bundeseinheitlichen Rahmen für die Berufszulassungen und Berufsausbildungen in den Heilberufen vorgeben soll. Unter dem Dach dieses gemeinsamen Gesetzes sind dann spezielle Regelungen für die einzelnen Heilberufe vorzusehen. Für jede Berufsgruppe sind die Kompetenzen zu beschreiben, die zum Führen der jeweiligen Berufsbezeichnungen und zur Ausübung des Berufes berechtigen. Die Identität der einzelnen Berufe soll in ihrer Besonderheit erhalten bleiben.

Eckpunkt 2
Um eine nationale wie internationale Vergleichbarkeit der beruflichen Qualifikation zu ermöglichen und abzubilden, sind die zu erreichenden Kompetenzen gemäß des deutschen bzw. europäischen Qualifikationsrahmens (DQR/EQR) auszuformulieren. Die Ausbildung soll zur eigenverantwortlichen und selbstständigen Berufsausübung befähigen.

Eckpunkt 3
Ausbildungsträger müssen ein Konzept vorlegen, aus dem der Ablauf sowie die Integration von theoretischem und praktischem Unterricht sowie der praktischen Ausbildung hervorgeht. Jedem Teilnehmer an der Ausbildung wird die Möglichkeit gegeben, die definierten Kompetenzen in der vorgegebenen Zeit zu erwerben.

Eckpunkt 4
Um die Qualität der praktischen Ausbildung zu sichern, sind eine angemessene Praxisbegleitung und Praxisanleitung gesetzlich zu verankern. Für Praxisanleiter/innen werden eine mindestens zweijährige Berufserfahrung und eine berufspädagogische Zusatzqualifikation gefordert.

Eckpunkt 5
Für die Lehrerbildung für Schulen des Gesundheitswesens müssen vergleichbare Bildungswege vorgegeben werden, eine fachwissenschaftliche und pädagogische Qualifikation ist zu gewährleisten.

Eckpunkt 6
Die Ausbildung in den Heilberufen ist eine gesellschaftliche Aufgabe. Daher ist eine Kostenfreiheit für Ausbildung bzw. Studium zu gewährleisten und gesetzlich festzuschreiben.

Eckpunkt 7
Die Mitbestimmung der Lernenden in allen Ausbildungsbereichen muss gesichert werden.

Eckpunkt 8
Die Bildungswege innerhalb der Aus- und Weiterbildung müssen horizontal und vertikal durchlässig sein. Der wechselseitige Zugang und eine Anrechnung von bereits erworbenen Teilqualifikationen müssen erleichtert werden. Die berufsqualifizierenden Abschlüsse sollten zu einer Hochschulzugangsberechtigung führen.

Eckpunkt 9
Eine Berufsbildungsforschung ist zu etablieren. Dazu zählen eine Bildungsberichterstattung zu den Gesundheitsberufen, ein Branchenmonitoring und eine Abteilung am Bundesinstitut für Berufsbildung bzw. ein eigenständiges Institut, um Ausgangslage, Entwicklungstendenzen und Anpassungsbedarf in der Berufsbildung der Gesundheitsfachberufe zu beurteilen und wissenschaftlich zu begleiten.


Die vollständige Fassung des Eckpunktepapiers finden Sie hier.