Ungarn: Dietetikus vagyok!

Simon Armbruzt, Diätassistent, Ungarn

"Ich bin Diätassistent!"
von Simon Armbruzt, Ungarn

Diätassistenten sind in Ungarn die am höchsten qualifizierte Berufsgruppe für den Bereich der Diät- und Ernährungstherapie. Im Jahr 2006 habe ich mein Studium zum Diätassistenten (Bachelor-Level) an der Universität Pécs an der Fakultät für Gesundheitswissenschaften, Fachbereich Ernährung und Diätetik abgeschlossen und arbeite seitdem an diesem Fachbereich als Dozent und Lehrer für Diätetik. Lehrer für Diätetik haben eine besondere Position in Ungarn, da die Studenten die klinischen Praktika unter deren Aufsicht durchführen, bevor sie der zuständigen Person für das jeweilige Praktikum zugewiesen werden. Dies bedeutet, dass ein universitär arbeitender Lehrer für Diätetik auch weiterhin in seinem Beruf als praktisch arbeitender Diätassisent tätig sein kann. In Ungarn ist die Lehre an Hochschulen nur Personen erlaubt, die bereits promoviert haben oder an ihrer Promotion arbeiten.

Die Ausbildung der Diätassistenten auf Bachelor-Level besteht in Budapest seit 1975 und seit 1998 in Pécs. Das Studium dauerte zu Beginn 3 Jahre wurde aber auf 4 Jahre verlängert. Es ist vorgesehen, dass in diesem Jahr der erste "Master in Human Nutrition" angeboten wird, sodass Diätassistenten konsekutiv auf ihrem Bachelorabschluss aufbauend studieren können und nicht mehr wie bisher, einen Masterabschluss im Bereich Ingenieurswesen oder Soziologie erwerben müssen. Ich selber habe einen "Master in Engineering". Die Ausbildung der Diätassistenten in Ungarn lag lange Zeit ausschließlich in den Händen der Mediziner. Erst in jüngster Zeit ist zu erkennen, dass die Berufsgruppe selber die Ausbildung aktiv gestaltet und Einfluss nimmt.

Der Ungarische Berufsverband der Diätassistenten (HAD) existiert seit 1991 und ist seit 1993 Mitglied des EFAD (European Federation of the Association of Dietitans). Der HAD hat rund 800 Mitglieder, die Präsidentin des Verbandes ist Emese Antal. Neben dem Berufsverband existiert in Ungarn die "Kammer für Heilberufe", die eine eigenständige Sektion für den Bereich Diätetik hat. Bei einer Einwohnerzahl von etwas mehr als 10 Millionen Menschen, arbeiten etwa 1300 Diätassistenten in Ungarn. Die größte ethnische Minderheit in Ungarn stellen die Roma dar, aber auch eine nennenswerte deutschsprachige Minderheit findet sich in einigen Regionen Ungarns. Dennoch berichten ungarische Diätassistenten selten darüber, dass Sprachprobleme oder bestimmte, kulturell andere Ernährungsgewohnheiten die tägliche Arbeit beeinflussen.

Die durchschnittliche Patientenzahl, die ein in einer Klinik arbeitender Diätassistent betreut, beträgt 167. Diese Zahl ist fallend, was auf den allgemeinen Rückgang der Krankenhausbetten zurückzuführen ist. Die Zahl der zu betreuenden Patienten für einen Diätassistenten bewegt sich zwischen 20 in einer Privatklinik und 556 Patienten in einer öffentlichen Klinik. Zurzeit ist ebenfalls ein Rückgang der Studenten für den Bereich Diätetik zu verzeichnen.

In 90 Prozent der Kliniken findet man den Funktionsbereich "Diät- und Ernährungsberatung", der in 54 Prozent der Fälle von einem qualifizierten Diätassistenten geleitet wird. Pfleger und Mediziner übernehmen die Leitungsfunktion der verbleibenden 46 Prozent. Diätassistenten in staatlichen Einrichtungen steht in 67 Prozent der Fälle ein Computer zur Verfügung, den sich meist 3 bis 4 Diätassistenten teilen. In einem Großteil der Einrichtungen wird die tägliche Arbeit dokumentiert, doch nur die Hälfte der Einrichtungen erwartet diese Dokumentation.

Die "aktiven" Diätassistenten in Ungarn sind vor allem unter den klinisch arbeitenden Diätassistenten zu finden, die hauptsächlich stationär arbeiten oder sich in der Beratung auf die Fachgebiete Diabetologie oder Nephrologie spezialisiert haben. In Ungarn existieren keine einheitlich geschriebenen Patienteninformationen, sodass viele Diätassistenten mit Informationsmaterialien der Pharmaindustrie arbeiten. In 40 Prozent der Fälle erhalten Patienten lediglich diese Information und keine persönliche Beratung.

Mit zunehmender Tendenz wird die Patientenverpflegung in den Kliniken ausgelagert und an Caterer vergeben. Derzeit trifft das auf ungefähr ein Fünftel der Kliniken zu. Dies bedeutet, dass immer mehr Diätassistenten nicht mehr für die Klinik, sondern für den Caterer arbeiten. Eine Nachfrage nach selbstständig tätigen Diätassistenten besteht nur in Budapest. Die Möglichkeit mit Krankenkassen zusammenzuarbeiten besteht in Ungarn nicht.

Diätassistenten in Ungarn erhalten eine Lizenz, die ihnen erlaubt, praktisch arbeiten zu dürfen. Die Lizenz erhält derjenige, der sich in Ungarn offiziell registrieren lässt. Und um diese Lizenz behalten zu können, müssen Fortbildungspunkte gesammelt werden. Dies gilt nicht nur für Diätassistenten, sondern für alle praktizierenden Heilberulfer.

In 5 Jahren müssen 100 Punke gesammelt werden. Durch die Arbeit in seinem Beruf erhält man jährlich 15 Punkte. Dies bedeutet, dass im Beruf tätige, innerhalb von 5 Jahren noch mind. 25 Punkte durch Fort- und Weiterbildung erwerben müssen, was einem Zeitaufwand von 5 Tagen entspricht.

Die leitenden und führenden Diätassistenten der Berufsgruppe wollen nun allgemeingültige Ernährungsprotokolle und eine allgemeine Gebührenordnung etablieren sowie eine unabhängige Kammer und die regelmäßige Supervision von Diätassistenten in Ungarn. Die Profession der Diätassistenten charakterisiert in vielen Bereichen die Arbeitssituation in Ungarn, die von täglichen Schwierigkeiten begleitet ist. Vielen Dank all den Führungskräften: Wir machen große Schritte, um die Gesundheit der Bevölkerung zu verbessern!

Kontakt:
Simon Armbruzt
Dietitian, Manager Consultant, University of Pécs
Faculty of Health Sciences
Institute of Phisiotherapy and Nutritional Sciences
Department of Nutritional Sciences and Dietetics
H-7621 Pécs Vörösmarty u. 4
E-Mail: simon.armbruszt@etk.pte.hu

Übersetzt aus dem Englischen von Daniel Buchholz