Österreich: Ich bin Diaetologin!

Andrea Hofbauer, Diätassistentin in Österreich

"Ich bin Diätassistentin!"
von Andrea Hofbauer

Seit mehr als 25 Jahren bin ich in diesem Beruf tätig. Ich startete meine Berufslaufbahn (zu der damaligen Zeit noch als Diplomierte Diätassistentin) in einem Krankenhaus, wo ich einige Jahre in der Beratung und Schulung der Patienten tätig war. Danach wechselte ich in die Lebensmittelwirtschaft, wo ich im Bereich des Ernährungsmarketings und der -kommunikation nach wie vor tätig bin. Nebenbei schrieb ich Fachbücher, und ich bin auch in der Erwachsenenbildung im Bereich Ernährung, Diätetik, PR & Kommunikation tätig.

Im Sinne eines „Life Long Learnings“ vervollständigte ich mein Wissen im Bereich des Marketings und der Kommunikation und konnte 2007 mein Studium mit dem Master of Science in Communication abschließen. Seit meinem Berufsstart engagiere ich mich in unserem Berufsverband. Schon in jungen Jahren erkannte ich, dass Berufspolitik sehr wichtig ist und nur durch das Einbringen jedes einzelnen Berufsangehörigen vorwärts gebracht werden kann. Ich übte verschiedene Funktionen im Verband aus, und seit 10 Jahren habe ich die ehrenvolle Aufgabe, als Präsidentin unseren Berufsverband zu leiten. Diese ehrenamtliche Funktion bedeutet sehr viel Verantwortung, denn die Berufspolitik und die Vertretung unserer Berufsgruppe werden immer anspruchsvoller. Anspruchsvollerwerden auch zunehmend mehr die Themen
und Herausforderungen, denen wir uns als Berufsgruppe stellen müssen.

In diesen 10 Jahren konnte ich gemeinsam mit meinem Team von VorstandskollegInnen viele wichtige und zukunftsweisende Aufgabenstellungen bewältigen. Im Jahre 2005 erreichten wir einen Meilenstein in der Geschichte der Entwicklung unseres Berufes: Auf parlamentarischen Beschluss wurde im BGBl I Nr. 70/2005 die Ausbildung akademisiert und die Berufsbezeichnung wurde auf „Diaetologin/ Diaetologe“ geändert. Hintergrund dieser Entwicklung war, dass sich das Berufsbild über die letzten Jahrzehnte enorm gewandelt hat – waren früher die Dipl. Diätassistenten vorwiegend damit beschäftigt, Kranken- und Diätkost zusammenzustellen und vielleicht auch selbst zuzubereiten,
so sind die heutigen Diaetologen u. a. dafür verantwortlich, die vom Arzt verordneten ernährungsmedizinischen Behandlungen bzw. Therapien eigenverantwortlich zu konzipieren, durchzuführen und auch zu evaluieren. Diese Therapie kann oral, enteral oder parenteral dem Patienten verabreicht werden. Die neue Berufsbezeichnung dokumentiert das gewandelte eigenverantwortliche Berufsbild mit der Kernkompetenz in der Diätetik und die geänderte Ausbildung.
Die Berufsausbildung zum Diaetologen wird nun gemäß dem Bologna Prozess als 3-jährige FH-Bachelor- Studien an Fachhochschulen angeboten.
Die Ausbildung umfasst 180 ECTS (European Credit Transfer System)
und ist so gestaltet, dass die Vermittlung theoretischer Ausbildungsinhalte mit der Vermittlung praktischer Fertigkeiten und Fähigkeiten koordiniert, verschränkt und ineinander greifend erfolgt. Die Absolventen
erhalten mit Abschluss ihre Berufsberechtigung und die Berufsbezeichnung
Diaetologe/Diaetologin. In Österreich gehören wir als Diaetologen zur Gruppe der Gehobenenmedizinisch- technischen Dienste. In diese Gruppe der gesetzlich anerkannten Gesundheitsberufe gehören noch 6 weitere Berufsgruppen wie Physiotherapeuten, Logopäden, Ergotherapeuten, Orthoptisten, Radiologie-Technologen und Biomedizinische Analytiker. Gemeinsam mit diesen genannten Berufsgruppen sind wir in einem Gesetz, dem sogenannten "MTD-Gesetz" definiert. Ausbildung, Tätigkeiten und Berufspflichten sind in diesem Gesetz niedergeschrieben. Demnach ist in Österreich die Behandlung von Menschen mit krankhaften Zuständen aus Gründen des Patientenschutzes ausschließlich und unwidersprochen den Angehörigen gesetzlich geregelter Gesundheitsberufe vorbehalten. Trotz dieses Tätigkeitsvorbehaltes drängen immer mehr unqualifizierte Berater im Ernährungsbereich auf den Markt und dies stellt eine der großen Herausforderungen für die Zukunft dar.

Der Großteil der DiaetologInnen arbeitet in Krankenanstalten, Rehazentren und Ambulatorien. Zurzeit sind nur wenige DiaetologInnen freiberuflich tätig. Dies ist auch darauf zurückzuführen, dass in Österreich Ernährungstherapie und -beratung vom Patienten selbst bezahlt werden muss. Betrachtet man jedoch die Entwicklungen, vor allem in Bezug auf die enorme Explosion von stoffwechselbedingten Erkrankungen, so werden in Zukunft mehr freiberufliche
DiaetologInnen notwendig sein. Wie eingangs schon erwähnt, wird Verbandsarbeit und Berufspolitik immer anspruchsvoller. Die Themen, die uns derzeit beschäftigen, sind die Registrierung von Gesundheitsberufen, die verpflichtende Fort- und Weiterbildung sowie die Qualitätssicherung.
Unsere Berufsgruppe muss sich aber auch richtig positionieren und die veränderten Arbeits- und Umweltbedingungen als Chance wahrnehmen.
Als Berufsverband arbeiten wir an diesen Aufgabenstellungen und es ist unser Ziel, eine starke Position in der österreichischen Ernährungslandschaft
einzunehmen. Wir erachten jedoch auch die Zusammenarbeit und den Austausch mit unseren europäischen Partnerverbänden und EFAD als sehr wichtig. Viele Themenstellungen werden wir gemeinsam in Europa lösen müssen – und nur gemeinsam sind wir auch wirklich stark.

Kontakt:
Andrea Hofbauer, MSc
Verband der Diaetologen
Österreichs
Grüngasse 9/Top 20
1050 Wien
E-Mail: vorsitzende@diaetologen.at