Belgien: Ik ben diëtist!

Willem De Keyzer, Diätassistent in Belgien

"Ich bin Diätassistent!"
von Willem De Keyzer

Ich habe meine Ausbildung zum Diätassistenten (Bachelor of Science) an der Universität Ghent 1999 abgeschlossen und im Jahr 2002 erfolgreich die Ausbildung zum "Master of Food and Dietary Science" absolviert. Seit 2003 arbeite ich als Lehrer an der Fakulty of Health Care (Fakultät für Gesundheitsversorgung/-wesen) an der Universität Ghent und bin Leiter des Fachbereiches für Ernährung und Diätetik. Neben dieser Tätigkeit arbeite ich zurzeit an meiner Promotion (PhD).

Der Studiengang Diätetik und Ernährung an der Universität Ghent wurde 1950 etabliert und war die erste Ausbildungseinrichtung für Diätassistenten in Belgien. Heute ist die Ausbildung für Diätassistenten auf Bachelorniveau an 11 Universitäten in Belgien möglich (7 Universitäten im flämischen Teil Belgiens und 4 im französischen Teil). Die Ausbildung richtet sich nach europäischen Richtlinien. Der Bachelorabschluss umfasst 3 Jahre Ausbildung und beinhaltet 180 ECTS-Punkte.

In Belgien ist nur der "paramedizinische" Teil der Profession gesetzlich geschützt, d.h. nur der klinische Arbeitsbereich. Die nationalen Anforderungen an diesen Bereich wurden in einem königlichen Beschluss aus dem Jahr 1997 beschrieben. Dieser Beschluss betrifft den Berufstitel "Diätassistent" und die Qualifikation, die benötigt wird, um als Diätassistent klinisch arbeiten zu dürfen. Eine der Anforderungen ist beispielsweise die regelmäßigen Fort- und Weiterbildung. Trotz dieser gesetzlichen Grundlage existiert in Belgien aber noch kein Akkreditierungssystem für die Fort- und Weiterbildung.

Des Weiteren kann jeder in Belgien Ernährungsberatung für Gesunde anbieten. Nur die Diättherapie muss von Diätassistenten durchgeführt werden. Die Beratungen werden, wie Konsumgüter, zurzeit mit 21 % versteuert (berufspolitisch wird eine Besteuerung von 6 % oder 0 %, wie auch bei Physiotherapeuten und Logopäden, angestrebt). Die Rückerstattung der Beratungskosten ist mir Ausnahme der diättherapeutischen Beratung von Diabetikern, nur sehr eingeschränkt möglich.
Die Berufsgruppe der Diätassistenten wird in Belgien von 2 Verbänden repräsentiert, dem flämischsprachigen Verband "Vlaamse Beroepsvereniging van Voedingsdeskundigen en Diëtisten" (VBVD, 600 Mitglieder) und dem französischsprachigen Verband "Union Professionnelle des diplômés en Diététique de Langue Française" (UPDLF, 220 Mitglieder). Beide Verbände sind Mitglieder im EFAD und berufspolitisch aktiv.

Im Jahr 2007 zählte des "Nationale Institut für Gesundheit und Krankenversicherung" 1330 registrierte Diätassistenten für eine Bevölkerung von 10,6 Millionen. Eine verbandseigene Untersuchungen ergab, dass im Jahr 2006 303 flämisch Diätassistenten klinisch tätig waren (691 Befragungen; Responserate 44 %). Von diesen Diätassistenten arbeiteten 60 % Teilzeit und 50 % waren alleine oder in einer Gemeinschaftspraxis selbständig tätig. 30 % der Diätassistenten in Krankhäusern arbeiten überwiegend in der Betreuung der stationären Patienten und 20 % arbeiten mit Patienten, die nicht stationär sind. 90 % der Befragten gaben an, dass eine evidenzbasierte Beratung wichtig sei, aber nur 25 % meinen, die richtige Information zur richtigen Zeit zu bekommen. Dieses Ergebnis zeigt, dass die diättherapeutische Betreuung der Patienten in Belgien verbessert werden muss, z.B. durch die Harmonisierung von Ernährungsprotokollen. Für die 3 Hauptindikationen der Diättherapie: Diabetes, Übergewicht/Adipositas und Dyslipoproteinämien sind aber national einheitliche Interventionsprotokolle vorhanden. Eine Untersuchung, durchgeführt vom Wissenschaftlichen Institut für Public Health aus dem Jahr 2004 zeigt, dass 1,5 % aller Männer und 2,9 % der Frauen Belgiens in den letzten 12 Monaten einen Diätassistenten konsultierten. Dieselbe Studie zeigte eine Prävalenz von Übergewicht bei Erwachsenen (BMI > 25) bei 50,6 aller Männer und 37,8 % aller Frauen Belgiens.

Der Ausländeranteil in Belgien liegt bei ca. 8 %. Die größten ethnischen Minderheiten, die sich durch eine andere Trink- und Esskultur auszeichnen, stellen die Marokkaner und Türken dar. Unter Berücksichtigung der kulturellen und religiösen Unterschiede, wurden für diese Bevölkerungsgruppen die Lebensmittelempfehlungen modifiziert.

In den letzen 50 Jahren hat sich die Profession der Diätassistenten in Belgien geändert, dies betrifft auch die Ausbildung. Die einzige Konstante in der Entwicklung der Profession scheint dabei die Veränderung und Dynamik zu sein. Als Diätassistenten müssen wir ständig unseren Horizont im Gebiet des geheimnisvollen Verhältnisses von Ernährung und Gesundheit erweitern.

Kontakt:
Willem De Keyzer
Head of the department Nutrition and dietetics
University College Ghent
Faculty of Health Care Vesalius
Keramiekstraat 80
9000 Ghent
Belgium
E-Mail: willem.dekeyzer@hogent.be

Übersetzt aus dem Englischen von Daniel Buchholz