Schweden: Jag är dietist och kostekonom!

Karin Hådell, Diätassistentin in Schweden

"Ich bin Diätassistentin!"
von Karin Hådell

In Schweden gibt es zwei unterschiedliche Ausbildungsprogramme für Diätassistenten. Nach einem gemeinsamen Basisjahr, in dem vor allem Biochemie, Ernährungslehre und Lebensmittelkunde unterrichtet wird, wird das Ausbildungsprogramm geteilt. Ein Zweig des Programms bildet die "Adminstrativen Diätassistenten" aus und hat daher einen Fokus auf die Fächer Administration, Management, Betriebswirtschaftlehre in der Gemeinschaftsverpflegung und Ernährungssoziologie.

Der andere Zweig bildet die "klinischen Diätassistenten" aus und fokussiert daher die Fächer Physiologie, Diätetik, Ernährungslehre, Ernährungssoziologie und Psychologie. Ich habe beide Programme absolviert und bin administrative Diätassistentin (Kostekonom) und klinische Diätassistentin (Dietist). Seit vielen Jahren konnte ich in beiden Bereichen Erfahrung in verschiedenen Führungspositionen sammeln.

Beide Ausbildungen haben eine Dauer von 3 Jahren und schließen auf Bachelor-Level ab. Danach besteht die Möglichkeit eines 4. Jahres, das einen Abschluss auf Masterniveau ermöglicht. Darauf aufbauend ist für die administrativen und klinischen Diätassistenten der PhD (Promotion) möglich. Diese Option wird von immer mehr Absolventen wahrgenommen. Des Weiteren werden von den Universitäten Kurse zur beruflichen Weiter- und Fortbildung angeboten. In drei schwedischen Universitäten werden Diätassistenten ausgebildet: Göteborg, Umeå und Uppsala.

Die adminstrativen Diätassistenten haben eine lange Geschichte in Schweden. Der erste Ausbildungskurs wurde bereits 1917 angeboten. Das Ausbildungsprogramm für die klinischen Diätassistenten startete in den späten 70er-Jahren. Vor dem Ausbildungsprogramm zum klinischen Diätassistenten bestand für examinierte administrative Diätassistenten und Hauswirtschaftslehrer mit Berufserfahrung die Möglichkeit eine ½ bis einjährigen Kurs zu besuchen, um dann als klinischer Diätassistent tätig werden zu können. Der Schwedische Verband der Diätassistenten, dessen Mitglieder vor allem administrative arbeitende Diätassistenten sind, wurde bereits 1921 gegründet und ist vermutlich der älteste Diätassistentenverband in Europa.

Der Schwedische Verband der Klinischen Diätassistenten wurde in den 70er Jahren gegründet und besteht in seiner jetzigen Form seit 1984. Jeder der Verbände hat ungefähr 1200 Mitglieder. Beide Verbände haben Regionalgruppen und Arbeitsgruppen/Arbeitsgemeinschaften für bestimmte Themengebiete.
Die klinischen Diätassistenten zählen offiziell seit dem Jahre 2006 zu den ca. 20 Heilberufen in Schweden, wie auch Apotheker, Ärzte und Pfleger. Um als klinischer Diätassistent tätig werden zu dürfen, muss man eine Lizenz beim Ministerium für Gesundheit und Soziales beantragen. Dies gilt für jeden – ob aus dem In- oder Ausland. Mit einem schwedischen Abschluss ist die „Lizenzierung“ aber eher eine Formalität. Personen mit ausländischen Abschlüssen müssen die Ausbildung als Diätassistent nachweisen und Nachweise zum "professionellen Status" des Berufes aus dem Heimatland vorweisen (z.B. Mitgliedschaft im Berufsverband).

Für ausländische Diätassistenten können mangelnde Sprachkenntnisse ein Problem darstellen, vor allem, um klinisch arbeiten zu können. Gute Kenntnisse der schwedischen Sprache sind für die Tätigkeit als Diätassistentin genauso wichtig wie das Wissen über die schwedische Kultur, insbesondere die Ess- und Trinkkultur. Schweden hat ca. 9 Millionen Einwohner, von denen ca. 13 Prozent in anderen Ländern geboren wurden. Viele Einwohner kommen aus anderen nordischen Ländern oder baltischen Saaten und besitzen daher eine ähnliche Ess- und Trinkkultur. Andere Bevölkerungsgruppen Schwedens kommen aus dem Mittleren Osten, vom Balkan, aus Südamerika oder Afrika.

Das Durchschnittseinkommen für Diätassistenten ist identisch mit Schwedens Pro-Kopf-Durchschnittseinkommen und mit dem für die anderen Berufsgruppen aus dem Heilberufsbereich, wie Pfleger, Physiotherapeuten und Ergotherapeuten. Es beträgt ca. 2400 Euro monatlich. (Anmerkung: in Schweden hat der Familienstatus und/oder Kinder keinen Einfluss auf das Nettoeinkommen und beträgt bei 2400 Euro brutto ca. 1900 Euro netto). Diätassistenten in Führungspositionen können aber auch das Doppelte verdienen. Die durchschnittliche Arbeitszeit beträgt 40 Stunden pro Woche, oft ist diese flexible einteilbar. Der Jahresurlaub beträgt 5 bis 6 Wochen. Erziehungsurlaub wird für 480 Tage für beide Elternteile gezahlt. Des Weiteren kann je ein Elternteil bis zu 120 Tage im Jahr zu Hause bleiben, wenn das Kind erkrankt ist.

Administrative Diätassistenten: Historische betrachtet, arbeiteten die meisten Diätassistenten im Bereich des Küchenmanagement in Krankenhäusern, in der Schulverpflegung und in der Armee. Heute sind die Gemeinden und Kommunen die häufigsten Arbeitgeber. Diätassistenten tragen die Verantwortung für den kompletten Bereich oder einen Teilbereich der Versorgung in Kindergärten, Schulen, sowie Alters- und Pflegeheimen. Der Arbeitsbereich

Verpflegungsmanagement im Krankenhaus verliert immer mehr an Bedeutung, da viele der Aufgaben an anderes Personal delegiert wurde und da Management und Wirtschaftlichkeit immer stärker fokussiert werden. Weitere Arbeitsfelder für administrativ arbeitende Diätassistenten sind Catering-Unternehmen, die Lebensmittelindustrie, Betriebskantinen und die Arbeit als Lehrer an Schulen. Klinische Diätassistenten arbeiten hauptsächlich in Krankenhäusern, Medizinischen Versorgungszentren, Gesundheitseinrichtungen, Gemeinden und Kommunen, Gesundheitsaufklärung (Public Health), Lebensmittelindustrie, Pharmazie sowie als Selbständige aber auch in der Ausbildung, Lehre und Forschung.

In kleineren Hospitälern und Versorgungszentren arbeitet meistens nur ein Diätassistent. In den großen Universitätskliniken sind bis zu 50 Diätassistenten tätig, die meist hochspezialisiert sind. Die Zusammenarbeit in Teams, gemeinssam mit Pflege und Medizin ist verbreitet, z.B. in Form von Diabetes- oder Ernährungsteams.

Die Rolle der Diätassistenten entwickelt und ändert sich kontinuierlich. Wir als Berufsgruppe müssen diese Herausforderung annehmen und eine Chance für uns darin sehen, um die Zukunft für unsere Profession gestalten zu können.

Kontakt:
Karin Hådell
Consultant (Fachberaterin)
Honorary President EFAD
Euroepan Federation of the Associations of Dietitians
E-Mail: karin.hadell@telia.com

Übersetzt aus dem Englischen von Daniel Buchholz