Slowenien: Jaz sem dietetik!

Jolanda Prelec-Lainščak, Diätassistentin in Slowenien

"Ich bin Diätassistentin!"
von Jolanda Prelec-Lainščak 

Ich habe mein Diplom als Ingenieurin der Lebensmitteltechnologie 1982 abgelegt. Ich habe Biotechnik, Richtung Ernährungswissenschaft, an der Universität Ljubljana studiert. Nach dem abgeschlossenem Studium und abgelegter Prüfung zur Gesundheitsarbeiterin habe ich die Leitung der Abteilung Krankenhausernährung im Allgemeinen Krankenhaus Murska Sobota übernommen. Das Krankenhaus hat ungefähr 450 Betten und 900 Angestellte. Die Arbeit des Ernährungsexperten und der Diätassistentin im Krankenhaus  erledige ich allein! Nach meinem Studium habe ich zuerst in der Küche des Krankenhauses gearbeitet. Dort habe ich neue technologische Verfahren zur Nahrungsvorbereitung eingeführt, Diätpläne erstellt sowie das komplette sanitärehygienischeZusammenarbeit zwischen Arzt, Krankenschwester und Diätassistenten zu intensivieren. Ich setzte mich für die Einführung von spezifischen enteralen Präparaten ein, die zur schnelleren Genesung schwer erkrankten Patienten und niedrigeren Kosten der Behandlung führten. Nach
langjährigen Bemühungen haben wir im Krankenhaus die Abteilung der
Krankenhausernährung und Diättherapie gegründet. Ich gebe meine langjährigen Erfahrungen und mein Wissen natürlich auch an junge Kollegen weiter. 9 Jahre unterrichtete ich das Fach Ernährung und Diätkost an der Mittleren Gesundheitsschule Murska Sobota, und an der Fachhochschule für Lebensmittel in Maribor habe ich 4 Jahre die Fächer Diätkost und Technologie
der großen Küchen gelehrt. Ich arbeite schon 26 Jahre an dem Projekt für „Diätköche“ an der Mittleren System - das heutigev HACCP-Konzept - kontrolliert. Zu Beginn meines Berufslebens habe ich die Aufgaben der administrativen und allgemeinen Diätassistentin erledigt.

Mein Wissen habe ich aus ausländischer Fachliteratur erhalten und in tertiären Anstalten, auch im Ausland. Ich habe aktiv an verschiedenen Tagungen, Symposien, Seminaren und Lehrwerkstätten teilgenommen und mir viel Fachwissen auf Tagungen von ESPEN, EFAD angeeignet. All diese Jahre hat sich in slowenischen Krankenhäusern Bedürfnis nach klinischem Diätassistenten gezeigt.

In meinem Krankenhaus habe ich die Beratung der Patienten eingeführt, die von der Krankenversicherung bezahlt worden ist. Ich schafftes es, die Schule für Gastronomie und Tourismus Ljubljana, und ich habe ein paar Bücher und Artikel mit Ernährungsinhalt geschrieben. Um die Probleme auf dem Gebiet der Diätkost zu lösen und um das Ziel der einheitlichen Ausbildung der Diätassistenten zu erreichen, haben wir im Jahr 1995 in Slowenien die Kammer der Ernährungswissenschaftler und Diätassistenten gegründet, die man später in die Fachvereinigung der Ernährungswissenschaftler und Diätassistenten umbenannt hat, die heute 85 Mitglieder hat. Die Mitglieder der Vereinigung sind in Krankenhäusern, Altersheimen, Schulen und Kindergärten angestellt, einige aber auch in der Industrie. Die Vereinigung veranstaltet verschiedene Seminare für die konstante Weiterbildung. Die Vereinigung stärkt ihre internationale Zusammenarbeit im Rahmen der Föderation EFAD, sie ist aber auch aktiv in das Projekt DIETS eingebunden. Die internationale Zusammenarbeit hat für uns eine außerordentliche Bedeutung, weil wir so in Slowenien von den internationalen Erfahrungen profitieren.

In Slowenien befassen sichmit der Ernährung und Diätkost vor allem Ingenieure der Lebensmitteltechnologie, seltener auch Krankenschwestern. Die Vereinigung hat versucht, die Ausbildung der Diätassistenten auf der Ebene der Fachhochschule oder Universität einzuführen. Weil es immer mehr solche Forderungen gegeben hat, hat die Fachhochschule für Gesundheitswesen in Izola (Universität Primorska) im Jahr 2007 das Studium der Ernährungs-wissenschaft eingeführt, das den europäischen Ausbildungsstandards für Diätassistenten angepasst ist. Die ersten Diplomanden werden ihr Studium im Jahr 2010 abschließen. In diesem Schuljahr wurde von dieser Fachhochschule auch ein Studium der Ernährungswissenschaft als 2. Bildungsweg eingeführt.

Seit 2000 konnte man an der Fachhochschule für Gesundheitswesen in
Maribor ein 1-jähriges Spezialstudium für klinische Ernährungswissenschaft
absolvieren, mittlerweile wird dies aber nicht mehr angeboten. So hat sich dem Diplomingenieur der Lebensmitteltechnologie in den Krankenhäusern der Spezialist der klinischen Ernährungswissenschaft angeschlossen.

Im Jahr 2003 wurde in Slowenien die Slowenische Vereinigung für klinische Ernährungswissenschaft gegründet, deren Mitglieder bekannte medizinische Experten, Spezialisten der klinischen Ernährungswissenschaft, Diätassistenten, Diplomingenieure der Lebensmitteltechnologie und Krankenschwestern sind. Die Vereinigung veranstaltet im Rahmen von ESPEN Kurse zur klinischen Ernährung für Diätassistenten.

Slowenien ist ein kleines Land mit ungefähr 2 Millionen Einwohnern. In Slowenien können auch Diätassistenten eingestellt werden, die ihre Ausbildung zum Diätassistenten in anderen Ländern beendet haben. Der Status der Diätassistenten ist in slowenischen Krankenhäusern noch nicht geregelt, und zahlreiche Krankenhäuser entscheiden sich gegen deren Einstellung.

In den letzten Jahren haben immer mehr Diätassistenten den Wunsch, selbstständig zu arbeiten und auch das Interesse für die Ausbildung wird immer größer. Der Monatslohn (netto) ist verhältnismäßig
niedrig, er beträgt zwischen 800,- und 1400,- €. Die Eintragung des Berufes des Diätassistenten ist momentan noch nicht geregelt, obwohl sich die Vereinigung der Ernährungswissenschaftler und Diätassistenten dafür sehr bemüht.

Kontakt:

Jolanda Prelec-Lainščak
Dipl. Ingenieurin der Lebensmitteltechnologie
Asist. mag. Stojan Kostanjevec
Univerza v Ljubljani
Pedagoška fakulteta
Kardeljeva pl. 16
1000 Ljubljana
Slowenien