Telemedizin: Gesundheitsminister wollen alle Gesundheitsberufe einbeziehen

Einen sehr wichtigen und für die Diätassistenten möglicherweise weitreichenden Beschluss haben die Gesundheitsminister der Länder bei der 86. GMK in diesem Sommer in Potsdam gefällt. Sie fordern das Bundesgesundheitsministerium (BMG) auf, auch den nicht approbierten Gesundheitsberufen künftig Zugriffsmöglichkeiten auf elektronische Gesundheitsdaten zu verschaffen und dafür die entsprechenden Paragraphen des SGB V zu novellieren.

Die jährlich stattfindende Konferenz der Ländergesundheitsminister (GMK) hat in Potsdam einstimmig beschlossen, die Gesundheitstelematik, d. h. die elektronische Nutzung und den Austausch von elektronischen Gesundheitsdaten, voranzutreiben. Damit verbunden sind neben anderen Punkten sowohl die Einführung und Nutzung der elektronischen Gesundheitskarte als auch der Heilberufeausweis. Letzterer würde die Gesundheitsberufe dazu berechtigen, Zugang zu Patientendaten zu erhalten, um vernetzt und interdisziplinär arbeiten zu können.

In diesem Zusammenhang mahnt die Bund-Länder-Arbeitsgruppe Telematik im Gesundheitswesen (BLAG) in ihrem Bericht an die GMK Handlungsbedarf für eine grundlegende Neuordnung der §§291a und 291b SGB V an. Ein zentraler Punkt – und damit greift die Kommission die langjährigen Forderungen der Gesundheitsfachberufe auf – sind die „Zugriffsmöglichkeit auf Anwendungen und die Telematikinfrastruktur für die ca. 2 Mio. Angehörigen nicht-approbierter Gesundheitsberufe“.

Der VDD hat sich seit ca. sieben Jahren in einer Arbeitsgruppe dieser Gesundheitsfachberufe engagiert und für das elektronische Gesundheitsberuferegister und die Einführung des Heilberufeausweises stark gemacht. Die Gesundheitsministerkonferenz ist jetzt der Forderung dieser Berufsgruppen gefolgt. Die GMK konnte offenbar nachvollziehen, dass nicht nur die verkammerten Berufe einen Heilberufeausweis brauchen, sondern auch die nicht-approbierten Gesundheitsberufe.

In der Diskussion um den Heilberufeausweis ist dies ein schöner Erfolg, auch wenn nicht verkannt werden darf, wie hartnäckig das Ringen darum manchmal war und welch langen Atem und Kontinuität man in der berufspolitischen Debatte benötigt. Und der Prozess geht weiter:

In einer Stellungnahme an das  Zentrum für Telematik und Telemedizin GmbH (ZTG) hat der VDD Ende Juli Fragen zur Bestandsaufnahme versorgungsrelevanter Informationen aus Sicht der Diätassistenten beantwortet. Darin wird u. a. sehr deutlich, wo die Schnittstellen zu anderen Gesundheitsberufen sind und dass in Sachen Ernährung je nach Krankheitsbild zwingend berufsübergreifend zusammengearbeitet werden muss. Dazu gehört auch der Austausch von Patientendaten.

Bislang zeigt die Vernetzung im deutschen Gesundheitssystem einer aktuellen Umfrage zufolge noch erhebliche Defizite. Es werde hierzulande wertvolles Potenzial verschenkt, die Effektivität und Qualität könnte zugunsten der Patienten deutlich verbessert werden, wenn die Behandlungenen untereinander effektiver koordiniert würden, heißt es beispielsweise auch in einem Artikel des Deutschen Ärzteblattes von Ende Juli.

Den Bericht der Bund-Länder-Arbeitsgruppe Telematik im Gesundheitswesen finden Interessierte hier.

Ihren Beschluss hat die GMK ebenfalls im Internet veröffentlicht.