Diätassistenten im Ernährungsteam unentbehrlich

Auf Einladung des Verbandes der Diätassistenten (VDD) informierte sich Ulrike Flach, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, bei einem Ortstermin in den Helios Kliniken Krefeld über die Tätigkeitsfelder von Diätassistenten.

Foto. L. Richard

Warum sind Diätassistenten unverzichtbar? Das diskutierten im Helios Klinikum Krefeld (v.l.n.r.) Doris Steinkamp, Präsidentin des Berufsverbandes VDD, Staatssekretärin Ulrike Flach, Ernährungsmediziner Dr. Jürgen Heise und Sigrid Kalde, Diätassistentin und Expertin für enterale (künstliche) Ernährung im Helios Klinikum Krefeld.

(Essen/Krefeld, 15.8.2011) Für Dr. Jürgen Heise, Ernährungsmediziner und Oberarzt im Helios Klinikum Krefeld, ist es absolut notwendig , eine Diätassistentin im Ernährungsteam zu haben. Viele Patienten kommen mangelernährt in ein Krankenhaus und sind in einem kritischen Ernährungszustand, weiß er. Die Aussichten für eine rasche Genesung verschlechtern sich, die Liegezeiten sind deutlich länger als bei gut ernährten Patienten. Viele dieser fehl- oder mangelernährten Patienten würden nicht mal erkannt und brächten deshalb äußerst schlechte Voraussetzungen für eine Behandlung und insbesondere eine Operation mit. Europaweit lägen die Zahlen im Schnitt bei 35 Prozent mangelernährter Patienten, in Tumorkliniken könnten es sogar bis zu 60 Prozent sein, sagte er anlässlich eines Besuches von Ulrike Flach, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium. Die FDP-Bundestagsabgeordnete informierte sich in dieser Woche auf Einladung des Verbandes der Diätassistenten (VDD) Deutscher Bundesverband in den Helios Kliniken Krefeld über das Tätigkeitsspektrum und die Arbeitsbereiche einer Diätassistentin und lies sich zeigen, wie Diätassistentin Sigrid Kalde eine Patientin, die auf künstliche Ernährung mittels Ernährungssonde angewiesen ist, fachlich berät.

VDD-Präsidentin Doris Steinkamp und Sigrid Kalde bestätigten, dass viele Kranke sowohl im ambulanten als auch stationären Bereich nur unzureichend über eine bedarfsgerechte und aufbauende Ernährung beraten werden. Manche landläufige Empfehlung zum Beispiel bei einer Laktose- oder Fruchtzuckerunverträglichkeit sei einfach falsch. Und der Einfachheit halber werde bei einem Verdacht auf Unterversorgung beispielsweise ein Nahrungsergänzungsmittel verschrieben, statt Nahrungszusammensetzung und Essverhalten zu analysieren und das Essen anzupassen. Auch Schwerkranke könnten mittels Diättherapie unter Erhalt der Lebensqualität sehr gut und ausreichend mit Nahrung versorgt werden.

Das Helios Klinikum Krefeld ist eine der wenige Kliniken hierzulande, die über ein eigenes Ernährungsteam unter der Leitung von Prof. Thomas Frieling verfügt. Obwohl es eine europäische Resolution gibt, die vorsieht, Spezialisten anzustellen und multiprofessionelle Ernährungsteams zu formieren, haben nur 3,5 Prozent der Kliniken solche Ernährungsteams. Diätassistenten als Mitglied in einem Ernährungsteam seien unentbehrlich. Denn in Sachen Ernährung hätte die Pflege zwar Grund-, aber keine Spezialkenntnisse, und überdies seien die meisten Ärzte in punkto Ernährung nicht ausreichend geschult, meint Ernährungsmediziner Heise. Ernährung müsse als vollwertiger Therapiebaustein angesehen werden. Die Ernährungsmedizin sei erwiesenermaßen höchst effizient, medizinisch zum Wohle der Patienten geboten und auch wirtschaftlich. Das Gesundheitssystem könne erhebliche Summen einsparen.

Unter Beteiligung von Ärzten und Pflege gibt es in Krefeld neuerdings ein verbindliches Screening, das mangelernährte Patienten systematisch aufspürt. An dessen Entwicklung hat Diätassistentin Sigrid Kalde maßgeblich mitgewirkt.
Sehr aufmerksam hörte sich Ulrike Flach die Ausführungen des Arztes sowie der Diätassistenten an, fragte nach und lies sich den Sachverhalt erklären: Doris Steinkamp wies darauf hin, dass Diätassistenten hierzulande keinen Zugang zu einer eigenen akademischen Bildung und Forschung haben. Sie bemängelte außerdem, dass die Diättherapie nach wie vor nicht verordnungsfähig ist, obwohl das Bundessozialgericht sie schon vor mehr als zehn Jahren als Heilmittel eingestuft habe. Eine Diättherapie außerhalb eines Krankenhauses müsse vom Patienten selbst bezahlt werden, wohingegen eine Physiotherapie selbstverständlich erstattet werde.

Die Ausbildungsordnung inklusive Berufsbezeichnung müsse ebenfalls dringend modernisiert werden, mahnte Steinkamp den Reformbedarf an. Dr. Heise ergänzte aus Sicht des behandelnden Arztes, dass die Berufsbezeichnung ‚Diätassistentin’ deren Kompetenz bei weitem nicht widerspiegele. Es gehe um den therapeutischen Ansatz, der auch in einer künftigen Berufsbezeichnung zum Ausdruck kommen sollte.