Leserbrief der ARGE Professionalisierung Gesundheitsberufe zum Artikel „Krankenpfleger sollen studieren“ vom 14.07.2012

Wo bleiben wir?

Nachdem der Medizinausschuss des Wissenschaftsrats seine „Empfehlungen zu hochschulischen Qualifikationen für das Gesundheitswesen“ ausgesprochen hat, wurde diese Thematik von der Süddeutschen Zeitung am 14.07.2012 aufgegriffen.

Die ARGE Professionalisierung Gesundheitsberufe begrüßt die Schlussfolgerung, dass Gesundheitsfachberufe zu einem Anteil von 10-20% akademisiert werden sollten sowie die auf Professionalisierung und Kooperation ausgelegte Berichterstattung.
Bedauerlich ist dennoch, das bei lediglich fünf Berufen des Gesundheitswesens der Bedarf einer akademischen Weiterentwicklung betrachtet und im Artikel problematisiert wurde. Dahingegen betrifft die Qualitätsanforderung der Fähigkeit des Reflective Practitioners, der auch für interprofessionelle Zusammenarbeit wie Forschung ausgebildet werden sollte (S.80) aber alle Gesundheitsfachberufe gleichermaßen! Zwar erwähnt der Medizinausschuss des Wissenschaftsrats in seiner Empfehlung auch die Medizinisch-Technische Assistenten (MTA) sowie die Diätassistenten (DA), „die auch von einem ähnlichen Akademisierungsprozess profitieren könnten“ (S. 81 Empfehlung), jedoch finden diese in der öffentlichen Diskussion kaum Erwähnung. So werden weder die Bestrebungen zur Professionalisierung durch diese Berufsgruppen anerkannt, noch werden ihnen Handlungsempfehlungen gewährt. Desweiteren finden andere Berufsgruppen wie zum Beispiel die Orthoptistinnen und Rettungsassistenten u.a. gar keine Erwähnung.
Um auf den künftigen Versorgungsbedarf angemessen reagieren und die Qualität der Gesundheitsversorgung sichern zu können, bedürfen auch andere Gesundheitsberufe einer Akademisierung. Berufsgruppen, wie zum Beispiel die MTA, die DA oder die Orthoptistinnen etc. werden nicht in die Berichterstattung einbezogen, obwohl ihre Wichtigkeit und die Notwendigkeit der allgemeinen Professionalisierung anerkannt wurde. Der besondere Fall der Rettungsassistenten findet im Artikel Erwähnung und zeigt exemplarisch für alle, von der ARGE Professionalisierung Gesundheitsberufe vertretenen Berufe, welche Bedeutung es für die Kooperation der Gesundheitsberufe sowie die gerechte Versorgung des Patienten haben kann, wenn eine Akademisierung stattfindet.
Die ARGE Professionalisierung Gesundheitsberufe ist eine berufspolitische Kooperation, deren Mitglieder der Deutsche Verband Technischer Assistentinnen/Assistenten in der Medizin e.V. (dvta), der Verband der Diätassistenten (VDD), der Bundesverband Pharmazeutischer Assistent/innen (BVpta), Berufsverband der Orthoptistinnen Deutschland (BOD) , Berufsverband für den Rettungsdienst e.V. und dem AK-BTA.
Die ARGE Professionalisierung Gesundheitsberufe setzt sich für die Sicherung der Qualität der Gesundheitsversorgung von heute und morgen ein, wozu auch eine adäquate Qualifizierung der Gesundheitsfachberufe und die Interprofessionalität gehören.
Die Gesundheitsversorgung besteht aus vielen Akteuren, die ebenso wichtig für die Patientenversorgung sind, wie die vom Wissenschaftsrat benannten Berufsgruppen (Pflege, Hebammen, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Logopäden). Ohne sie wird aber der künftige Versorgungsbedarf und die Qualität der Gesundheitsversorgung nicht erreicht werden. Daher sind auch diese Berufe betreffend hochschulische Angebote und Qualifikationen wichtig für eine optimale Patientenversorgung von morgen.
Mit freundlichen Grüßen

Doris Steinkamp und Elske Müller Rawlins
Sprecherinnen  ARGE Professionalisierung Gesundheitsberufe

>Artikel Süddeutschen Zeitung vom 14.07.2012 hier

>Empfehlungen zu hochschulischen Qualifikationen für das Gesundheitswesen  hier