VDD-Bundeskongress: Steinkamp mahnt Änderungen an

Der Verband fordert die Diättherapie als Heilmittel, die Aktualisierung des Diätassistentengesetzes sowie den Zugang zu akademischer Bildung. VDD-Präsidentin Doris Steinkamp legte beim Bundeskongress in Wolfsburg ein detailliertes Forderungspapier vor.

Prof. Anne de Looy (EFAD-Präsidentin), Fotografin: Merle Cramer

Prof. Anne de Looy (EFAD-Präsidentin) Fotografin: Merle Cramer

Wolfsburg (6.5.2011) In ihrer Eröffnungsrede zu Beginn des Bundeskongresses der Diätassistenten brachte es die Präsidentin des Berufsverbandes VDD, Doris Steinkamp, auf den Punkt. Der Beruf befinde sich derzeit in einer Sackgasse. Den Diätassistenten sei es in Deutschland nicht möglich, sich aufbauend auf die Berufsausbildung akademisch weiterzubilden. Die Diättherapie sei – trotz eines eindeutigen Urteils des Bundessozialgerichts aus dem Jahr 2000 – immer noch nicht als Heilmittel anerkannt. Und der Berufstitel spiegele bei Weitem nicht die Kompetenz und Fachlichkeit, mit der Diätassistenten heute ihren Beruf ausübten. Er sei deshalb zu ändern, forderte sie, damit Patienten und Ärzte auf Anhieb sehen könnten, welche Qualität in Beratung und Therapie sie bei Diätassistenten erwarten könnten. Das sei aus Gründen der Patientensicherheit unabdingbar.

Der 53. Bundeskongress des Verbandes der Diätassistenten in Deutschland (VDD), zu dem am 6. und 7. Mai rund 1300 Diätassistenten und Ernährungsmediziner im CongressPark in Wolfsburg erwartet werden, steht ganz im Zeichen der politischen Forderungen des Berufsverbandes. Bundesgesundheitsminister Dr. Philipp Rösler, Schirmherr des Fachkongresses, konnte krankheitsbedingt nicht an der Kongresseröffnung teilnehmen. In seinem schriftlichen Grußwort bescheinigte er den Diätassistenten aber ihre wichtige Rolle im Gesundheitssystem: Sie seien im Kampf gegen Adipositas, ernährungsabhängige Krankheiten wie Diabetes mellitus und Herz-Kreislauferkrankungen sowie Mangel- und Fehlernährung wichtige Verbündete. Sie arbeiteten wissenschaftlich fundiert und zugleich praxisorientiert und immer dicht am Patienten und leisteten so einen wichtigen Beitrag im Rahmen der Therapie und der Prävention von Krankheiten.

Der VDD hat ein Forderungspapier an Politik und Akteure im Gesundheitswesen formuliert, in dem detailliert begründet wird, warum Veränderungen notwendig sind und wie sie erfolgen können, damit die Diätassistenten hierzulande den wissenschaftlich fachlichen Anschluss nicht verlieren. Der VDD vertritt als einzige berufsständische Vertretung in Deutschland die Diätassistenten berufspolitisch, bietet weiterqualifizierende Maßnahmen an und sorgt über seine Mitarbeit im europäischen Dachverband EFAD auch für eine internationale Anbindung.

Dessen Präsidentin Professor Anne de Looy von der University of Plymouth war ebenfalls zur Eröffnung des Bundeskongresses gekommen und unterstrich damit die Bedeutung der deutschen Diätassistenten im internationalen Kontext. Sie hatte sich bereits mehrfach zuvor besorgt darüber geäußert, dass die Diätassistenten in Deutschland als einzige auf europäischer Ebene bislang keinen Zugang zu einer spezifischen akademischen Aus- und Weiterbildung erhalten. In Wolfsburg betonte sie die Notwendigkeit zu Veränderungen und richtete direkt an den Bundesgesundheitsminister die Aufforderung: „Minister Rösler, wir warten!“ Diätassistenten seien keine ‚Assistenten’ im Gesundheitssystem, sondern ein Therapieberuf. „Wir müssen erreichen, dass der Berufstitel geändert wird“, rief sie den Diätassistentinnen und Diätassistenten in ihrer engagierten Rede zu.

Schützenhilfe erhielt der VDD auch von den Vertretern der Ernährungsmedizin: Professor Johannes Wechsler, Präsident des Bundesverbandes der Ernährungsmediziner (BDEM) –der Kongress wird zum wiederholten Male in Kooperation mit dem Bundesverband Deutscher Ernährungsmediziner e.V. (BDEM) durchgeführt – sagte in seiner Begrüßung: „Wir Ernährungsmediziner brauchen Diätassistenten als qualifizierte Mitglieder der Ernährungsteams.“ Ernährungsabhängige Krankheiten nähmen dramatisch zu, die Folgekosten seien die Hauptursache für die Kostenentwicklung in unserem Gesundheitssystem.

Professor Arved Weimann, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM), betonte ebenfalls die Paradoxie von Überfluss einerseits und Mangelernährung und Adipositas andererseits in unserer Gesellschaft. Er sehe eine essenzielle Notwendigkeit der interprofessionellen Zusammenarbeit von Medizinern und Diätassistenten. Die Partnerschaft zu diesem klassischen Heilberuf sei aus ärztlicher Sicht unabdingbar, ebenso wie die Akademisierung des Berufes, damit der Anschluss an die europäischen Nachbarländer nicht verloren gehe.

Der zweitägige Kongress bietet Diätassistenten aber über die berufspolitischen Dimensionen hinaus eine hochkarätige und fundierte Weiterbildung, ein regelrechtes ‚Wissens-Update in Diätetik und Medizin’, so der Titel des Fachkongresses. Die Fachbesucher diskutieren hochaktuelle Themen, zum Beispiel zum Thema Patientensicherheit: Wie kann die Qualität in der Diättherapie sichergestellt werden? Immer häufiger wird Fettleibigkeit (Adipositas) mittels Operation behandelt: Wie hat die begleitende diätetische Ernährung vor und nach einer Operation auszusehen? Oder auch: Welche Wechselwirkungen gibt es zwischen psychischen Erkrankungen und Ernährung? Wie kann eine Diättherapie von depressiven Patienten geplant und umgesetzt werden, ohne sie zu überfordern? Auch die kultursensible Beratung von Patienten mit Migrationshintergrund ist ein zunehmend wichtiges Thema und steht folgerichtig in Wolfsburg auf dem Programm.

Begleitend zum Fachkongress präsentieren rund 70 Unternehmen der Branche ihr Angebot. Auch das eine gute Gelegenheit für Diätassistenten, sich über Neuentwicklungen und Trends im direkten Gespräch zu informieren. In Satellitensymposien der Industrie geht es u.a. um die Rolle der Medien bei der Meinungsbildung zu Fragen der Ernährung, um Genießen und Gesundheit oder um Functional Food. Auch das spannende Themen, die die derzeitige öffentliche Diskussion beeinflussen.

 

Ansprechpartnerin für die Presse

Doris Steinkamp (Präsidentin) des VDD
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