Oberster Gerichtshof in Österreich urteilt: In der Ernährungstherapie kranker Menschen gilt Therapievorbehalt für Diaetologen und Ärzte

Diese Woche wurde bekannt, dass der Oberste Gerichtshof (OGH) in Österreich in letzter Instanz beschlossen hat, dass in der Ernährungsberatung und -therapie von Menschen mit Erkrankungen ausschließlich Diaetologen und Ärzte tätig sein dürfen. Der Verband der Diätassistenten – Deutscher Bundesverband e. V. (VDD) begrüßt diese Entscheidung ausdrücklich und fordert diesen Tätigkeitsvorbehalt auch für die Berufsgruppe der Diätassistenten in Deutschland, vor allem angesichts der anstehenden Neuregelung der Berufsgesetze für Therapieberufe.

 

Geklagt hatte ein Ernährungstrainingsinstitut, das Ernährungsberatung nicht nur bei gesunden Menschen, sondern auch bei Menschen mit Erkrankungen durchführen können wollte. Doch der OGH in Wien stellte jetzt unmissverständlich fest: Diaetologen sind die einzige Berufsgruppe im Bereich der Ernährungsberatung, die neben Ärzten und auf ärztliche Anordnung kranke und krankheitsverdächtige Menschen (z.B. bei Diabetes, Krebs, Adipositas u.a. Krankheiten) ernährungstherapeutisch beraten und behandeln darf.

„Das ist auch für Deutschland ein wegweisender Beschluss“, begrüßt Uta Köpcke, die Präsidentin des Verbandes der Diätassistenten in Deutschland (VDD), diese unwiderrufliche Entscheidung. „Eine gleiche Regelung für den Therapievorbehalt ist auch in Deutschland mehr als überfällig. Wir erwarten bis Ende 2019 hierzu von der Bund-Länder-Kommission für die anstehende Reform der Berufsgesetze eine klare Positionierung. Nur so sind die Patienten vor fachlich falscher Ernährungstherapie zu schützen und nur so ist ihnen eine sichere und qualifizierte Ernährungsberatung zu garantieren.“  

Das Pendent zu den österreichischen Diaetologen sind in Deutschland die Diätassistenten: Diätassistenten sind hierzulande der einzige reglementierte Therapieberuf, der auf ärztliche Anordnung Ernährungstherapie bei kranken Menschen durchführen darf. Dafür gibt es klare gesetzliche Regelungen, auch wenn der Beruf – im Gegensatz zu Österreich – nicht (voll) akademisiert ist und ein Therapievorbehalt fehlt. Daher müssen Berufsgesetze, wie das Diätassistentengesetz, künftig für Patientensicherheit sorgen und Standards setzen und damit auch die Anerkennung gleichwertiger Abschlüsse regeln.

In Deutschland tummeln sich jedoch viele „Ernährungsberater“ ohne gesicherte Ausbildung auf dem Markt. „Im VDD bekommen wir immer wieder Rückmeldungen von Kolleginnen und Kollegen über solche Fälle, wo insbesondere kranke Menschen fehlerhaft beraten worden sind“, sagt Uta Köpcke. Das hat mitunter bei onkologischen Patienten, Menschen mit Adipositas oder spezifischen Stoffwechselerkrankungen fatale Folgen. Die Patientensicherheit sei das Maß aller Dinge, so Köpcke. Der Therapievorbehalt für Diätassistenten sei der entscheidende Baustein für Patienten zu erkennen, wer kompetent beraten könne und dürfe.