Am 18. Mai ist Europäischer Adipositas-Tag

VDD: Es ist Zeit zu handeln!

Adipositas ist eine chronische und keineswegs harmlose Krankheit. Ihr wird noch immer viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Körperlich wie seelisch haben die Betroffenen ein schweres Los, mit dem sie vielfach allein gelassen werden. Adipositas ist nämlich die einzige chronische Erkrankung, für die es keine adäquaten Versorgungsstrukturen seitens der Krankenkassen gibt. Für alle anderen chronischen Krankheiten gibt es sie. Am 18. Mai ist Europäischer Adipositas-Tag: Der Verband der Diätassistenten – Deutscher Bundesverband e. V. (VDD) fordert von Politik und Gesundheitswesen, sich endlich auf den Weg zu machen und die Rahmenbedingungen zu ändern.

Wer adipös ist, leidet nicht nur persönlich, sondern wird häufig auch mit wenig schmeichelhaften Zuschreibungen stigmatisiert. Die Krankheit wird einerseits oft als individuelles Versagen angesehen, gilt aber andererseits als gesamtgesellschaftliches Problem, für das sich aber niemand so recht zuständig fühlt. Dabei haben rund 16 Mio. Menschen hierzulande ein ausgeprägtes Übergewicht oder sind bereits adipös. Das beginnt häufig schon im Kindesalter. Mit einem erheblichen Risiko, Folgeerkrankungen wie Diabetes Typ 2, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs zu entwickeln.

Diätassistenten sind in ihren Praxen ebenso wie in Kliniken häufig mit Adipositas und Übergewicht konfrontiert. VDD-Präsidentin Uta Köpcke weist darauf hin, dass schon Kinder mit Adipositas häufiger metabolische Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und Insulinresistenzen aufweisen als normalgewichtige Kinder. „Das setzt sich meist auch im Erwachsenenalter fort. Adipositas erhöht nicht nur das Risiko für Folgeerkrankungen, sondern auch die Sterblichkeit insgesamt. Über die mit Adipositas verbundenen Kosten für das Gesundheitssystem ist dann noch gar nicht geredet worden“, sagt sie.

Deshalb müsse der adipositasbedingte Therapiebedarf endlich von Politik und Gesundheitswesen anerkannt und in der Regel-Versorgung verankert werden, meint die VDD-Präsidentin.

Im Abschlussbericht zum BMG-Projekt mit dem sperrigen Titel Therapie der Adipositas – Aktualisierung des Konsensuspapiers: Patientenschulungsprogramme für Kinder und Jugendliche mit Adipositas hieß es schon im März 2017: „Wenn sie [die nachhaltig effektive präventive und therapeutische Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit Übergewicht und Adipositas] gelingt, ist dies sowohl von hohem individuellen Nutzen (bessere Gesundheit, bessere Lebensqualität, bessere Entwicklung und Teilhabe), als auch von herausragender (gesundheits-) ökonomischer Bedeutung (Einsparung hoher direkte und indirekte Kosten der Adipositas über die gesamte Lebensspanne). Insbesondere in den letzten 5 Jahren wurden relevant weniger Kinder und Jugendliche mit Adipositas behandelt - bei gleichbleibend hohem Bedarf, …“[1].

Passiert ist in den letzten zwei Jahren allerdings – nichts! Es ist jetzt Zeit zu handeln, um die entsprechenden Strukturen zu schaffen. Die Diätassistenten stehen mit ihrer Expertise bereit.

 


[1] https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/praevention/kindergesundheit/praevention-von-kinder-uebergewicht/therapie-der-adipositas.html#c3109