Heilmittel Ernährungstherapie: Verhandlungen gescheitert - keine Einigung mit dem GKV

Die Verhandlungen um das Heilmittel Ernährungstherapie zwischen dem Spitzenverband der Krankenkassen und den vier maßgeblichen Ernährungsverbänden QUETHEB, VDD, VDOE, VFED sind gescheitert. Die Parteien konnten sich über viele Teile des Rahmenvertrags nicht einigen, insbesondere hinsichtlich der Vergütung der Leistung und der Qualifikation der Heilmittelerbringer. Jetzt entscheidet die Schiedsstelle.

Es war ein Kraftakt über insgesamt 13 Verhandlungstage: Die vier
maßgeblichen Verbände für die Ernährungstherapie, QUETHEB, VDD, VDOE
und VFED, haben sich seit November 2019 für bessere Bedingungen in der
ambulanten Ernährungstherapie bei Mukoviszidose und seltenen angeborenen
Stoffwechselerkrankungen eingesetzt. Einer der wichtigen Streitpunkte war das
Honorar für die therapeutischen Leistungen. Hier bemängeln die Verbände das
Angebot der Krankenkassen als nicht akzeptabel: Aus ihrer Sicht entspricht die
Vergütung weder der Qualifikation der Therapeuten noch dem Wert ihrer
Dienstleistung.
„Menschen mit Mukoviszidose und anderen schweren angeborenen
Stoffwechselerkrankungen müssen nah an ihrem Wohnort versorgt und
ernährungstherapeutisch betreut werden. Das bieten im Moment nur wenige
Spezialambulanzen an – dabei bleiben Betroffene buchstäblich auf der
Strecke“, erklärt Uta Köpcke, Präsidentin des VDD.
Das Fachpersonal in den zugelassenen Spezialambulanzen, sechs für
Mukoviszidose und fünf für seltene angeborene Stoffwechselerkrankungen,
wäre nach dem neuen Rahmenvertrag zwar als Heilmittelerbringer für
Ernährungstherapie zugelassen und könnte abrechnen, aber die Krankenkasse
vergütet nur einen Bruchteil des Aufwandes. Mehr Praxen werden gebraucht,
um alle Patientinnen und Patienten mit Mukoviszidose und seltenen
angeborenen Stoffwechselerkrankungen ohne lange Wege und Wartezeiten
versorgen zu können.
Bei den Treffen haben die Vertreter des GKV-Spitzenverbandes und der
Krankenkassen, so VFED Vorstand Axel Hugot, „massiv gemauert“: „Es war
geradezu eine Blockadehaltung. Von Termin zu Termin wurden die
Verhandlungen zäher.“
„Die Krankenkassenvertreter haben weder fundierte Kalkulationsgrundlagen
akzeptiert noch Informationen zur Qualifikation der Heilmittelerbringer
beachtet, die wir ausgearbeitet hatten“, berichtet Prof. Johannes Erdmann,
Vorsitzender von QUETHEB.
Am Ende gab es nur eine Annäherung in Teilfragen, so dass die Schiedsstelle
eine Entscheidung treffen soll.
Dabei bleibt die faire Vergütung ernährungstherapeutischer Leistungen
zentrale Forderung der Verbände, betont Dr. Andrea Lambeck vom VDOE: „Wir
sind zuversichtlich, dass die Schiedsstelle unsere Forderungen ernst nimmt.
Immerhin haben wir Zahlen und Fakten vorgelegt. Ohne ausreichende
Bezahlung werden nicht genug Leistungserbringer für Ernährungstherapie eine
Zulassung anstreben, mit der Folge, dass die dringend benötigte
Ernährungstherapie nicht stattfinden kann – und dann leiden die Betroffenen.
Wir kämpfen also weiter.“
#geradejetztgemeinsam
Ansprechpartner und weitere Informationen:
Sandra Strehle, QUETHEB - Deutsche Gesellschaft der qualifizierten
Ernährungstherapeuten und Ernährungsberater e.V.,
07323 96 88 472, info@quetheb.de
Uta Köpcke, Verband der Diätassistenten – Deutscher Bundesverband e.V.
VDD, 0152 31803383, uta.koepcke@vdd.de
Dr. Andrea Lambeck, BerufsVerband Oecotrophologie e.V. VDOE,
0175 2640669, a.lambeck@vdoe.de
Axel Hugot, Verband für Ernährung und Diätetik e.V. VFED, 0241 507300,
info@vfed.de