Navigation überspringen

German Nutrition Care Prozess

German-Nutrition Care Prozess 

Aufgabe und Ziel

Der G-NCP dient der systematischen Lösung von Ernährungsproblemen. Er wird von Diätassistenten angewendet, um mittels kritischen Denkens therapeutische Entscheidungen treffen zu können, die es ermöglichen, diese ernährungsbezogenen Probleme qualitätskontrolliert und sicher zu lösen. Damit wird ein Beitrag zu einer effektiven und hochwertigen gesundheitlichen Versorgung geleistet.

Der Prozess ist somit auf die selbstständige und eigenverantwortliche Durchführung präventiver und therapeutischer Ernährungsmaßnahmen ausgelegt und spiegelt die im Diätassistentengesetz (1994) gesetzlich verbrieften Kompetenzen von Diätassistentinnen und Diätassistenten wider.

Der G-NCP weist Parallelen zu allen anderen diätetischen Prozessmodellen auf, die international zur Anwendung kommen und weist auch Vergleichbarkeit zum Pflegeprozess und den Prozessmodellen anderer therapeutischer Gesundheitsfachberufe auf. Er sorgt dafür, die ernährungstherapeutische und –präventive Versorgung qualitätsgesichert durchzuführen. Daneben ist er auch für die weitere Professionalisierung der Berufsgruppe sowie für die europäische und internationale Anschlussfähigkeit essentiell. Zugleich bildet er eine wichtige Voraussetzung zur Entwicklung einer einheitlichen (standardisierten) Sprache für die Diätetik als Grundlage für deren Digitalisierung.

Der G-NCP wurde vom VDD als gültiges Prozessmodell in der Ernährungstherapie und ernährungsbezogenen Prävention in Deutschland verbreitet und neben Diätassistenten auch anderen im Handlungsfeld tätigen Berufsgruppen zugänglich gemacht. Der G-NCP hat sich in Deutschland als Instrument der Qualitätssicherung für die Diätetik etabliert und wird ebenso didaktisch für die Ausbildung des beruflichen Nachwuchses genutzt. Alle Schulen und Hochschulen für Diätetik, vertreten durch den Bund für Ausbildung und Lehre in der Diätetik (BALD), folgen bereits seit Herbst 2017 dem Beschluss, den G-NCP verbindlich in die Ausbildung und Lehre aufzunehmen. 

Entstehung

Die Auseinandersetzung mit dem prozessgeleiteten Handeln in der Diätetik begann im VDD im Jahr 2009. Dafür waren vor allem internationale und europäische Entwicklungen, wie die Implementierung des Nutrition Care Process (NCP) in den USA im Jahr 2003 und des Diaetologischen Prozesses in Österreich im Jahr 2006 impulsgebend. 

Eine 2013 vom VDD gegründete Arbeitsgruppe legte als Ergebnis den German-Nutrition Care Prozess (G-NCP) vor, der im Jahr 2015 erstpubliziert wurde. Mittlerweile wurden in allen Mitgliedsländern des Europäischen Dachverbandes der Diätassistentenverbände EFAD Prozessmodelle für das berufliche Handeln verankert, wobei wie in Deutschland entweder eigene nationale Modelle zur Anwendung kommen oder das US-amerikanische Modell Verwendung findet.

Im Ansatz basierte der G-NCP in weiten Teilen auf dem US-amerikanischen Prozessmodell, was auch seine Bezeichnung als German-NCP erklärt. Er wurde jedoch an die Bedingungen in Deutschland adaptiert und gilt inzwischen als eigenständiges Prozessmodell.

Seit der Erstbeschreibung vorliegende Erfahrungswerte aus verschiedensten Settings sowie aus Lehre und Forschung führten 2025 zu einer Überarbeitung des G-NCP, die in einem modernisierten Prozessmodell sowie einer Schärfung und Präzisierung von Begrifflichkeiten mündete. 

Die Bezeichnung German-Nutrition Care Prozess wurde beibehalten, weil sie einen hohen Wiedererkennungsgrad aufweist, vor allem aber, weil es für den Begriff „Nutrition Care“ (deutsch in etwa Ernährungssorge, Ernährungsbetreuung, Ernährungsversorgung) im Deutschen keinen vergleichbar prägnanten und passenden Begriff gibt.

Prozessmodell

Das derzeit gültige Prozessmodell 2025 visualisiert Aufbau und Struktur des G-NCP. Unter Beibehaltung des grundsätzlichen Aufbaus wurden seine Form- und Farbgestaltung modernisiert sowie geringfügig modifiziert.

Die therapeutische Beziehung zwischen der beruflich handelnden Person und den Betroffenen steht im Mittelpunkt. Es folgt ein Ring, in dem die notwendigen beruflichen Voraussetzungen aufgeführt sind, die für die Ausgestaltung der therapeutischen Beziehung in allen Prozessschritten handlungsleitend sind. Darum herum sind im Uhrzeigersinn die fünf Prozessschritte aufgeführt. Der äußere Ring verweist auf die Rahmenbedingungen, unter denen die Prozessschritte ablaufen. 

Mit dem G-NCP wird eine individualisierte (personalisierte) Ernährungsintervention in für Dritte nachvollziehbaren Schritten unter Berücksichtigung der Kontextfaktoren ermöglicht. Er weist einen engen Bezug zur Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF) und dem damit verknüpften biopsychosozialen Modell der WHO auf. Durch die Struktur des G-NCP wird das Handeln von Diätassistenten transparent. Es werden Daten generiert, die belegen, warum und welche Ernährungsintervention angezeigt ist und zugleich, dass die durchgeführten Interventionsmaßnahmen auch das erreichen, was beabsichtigt war. Diätassistenten können so nachweisen, wie ihr Handeln zur Lösung von Ernährungsproblemen zu einem besseren Outcome beiträgt.

Prozessschritte und Vorgehensweise

Der G-NCP besteht aus fünf Schritten, die untereinander durch spezielle Logiken verknüpft werden:

  1. Ernährungsassessment
  2. Ernährungsdiagnose
  3. Planung der Intervention
  4. Durchführung der Intervention
  5. Evaluation

Regelmäßig findet eine Überprüfung der therapeutischen Situation statt. Die Intervention wird durch kontinuierliche Reflexion, Monitoring und Re-Assessment gesteuert. Ergibt das Monitoring, dass die Intervention nicht den gewünschten Verlauf nimmt, um die angestrebten Ziele zu erreichen, werden die Interventionsmaßnahmen angepasst. Ergibt sich eine veränderte Ausgangslage, wird mittels Re-Assessment die Anpassung der Ernährungsdiagnosen und damit der nachfolgenden Prozessschritte vorgenommen.

Die aus der Reflexion resultierenden Schlussfolgerungen tragen einerseits zu einer kontinuierlichen Verbesserung und Weiterentwicklung der eigenen therapeutischen Kompetenz bei, können andererseits aber auch auf struktureller Ebene der Organisation zu Verbesserungen führen.

Literatur

Eine umfassende Beschreibung des G-NCP mit Darlegung der theoretischen Grundlagen zum beruflichen Handeln, zur Ableitung von Begrifflichkeiten und Definitionen sowie zu den Prozessschritten, ergänzt durch Best-Practice-Beispiele, bietet das Buch: 

Buchholz D, Ohlrich-Hahn S (Hrsg.): Der German-Nutrition Care Prozess – Theoretische Grundlagen und praktische Anwendung in Beruf, Ausbildung und Studium. Berlin, Heidelberg: Springer Spektrum 2025